Freitag, 19. Juni 2009

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25.06.2007 3 K 640/06.MZ MDE 13 – 07.009 07.07.2008

VERWALTUNGSSTREITSACHE EINER IRANISCHEN STAATSANGEHÖRIGEN

Sehr geehrter Herr Dany,

Ihre o.g. Anfrage haben wir mit bestem Dank erhalten. Die Fragen Ihres Beweisbeschlusses beantwortet

Amnesty International wie folgt:

1. Wie stellt sich die Lage freikirchlich-evangelikaler Christen im Iran derzeit in Bezug auf

Gewährleistung des so genannten religiösen Existenzminimums (der Möglichkeit zur

Religionsausübung im häuslich-privaten Bereich zum religiösen Bekenntnis im

nachbarschaftlich-kommunikativen Bereich) dar? Besteht zumindest die Möglichkeit der

ungehinderten Religionsausübung in „Hausgemeinden"?

Evangelikale Christen gehören nach Einschätzung von Amnesty International zu den Personen, die sehr

häufig von den iranischen Behörden und Sicherheitskräften drangsaliert, festgenommen, verhört, ohne

Kontakt zur Außenwelt in Haft gehalten, misshandelt und gefoltert und mitunter angeklagt und zu

Haftstrafen verurteilt werden. Diese Einschätzung wird von zahlreichen anderen Organisationen und

Experten geteilt.1 Aktivitäten evangelikaler Christen werden besonders streng überwacht, um

Missionsversuche zu unterbinden. Laut Auskunft des US-Außenministeriums sollen sie sogar

aufgefordert worden sein, zum Zwecke der Kontrolle Mitgliederlisten zu übergeben.2

Wir haben unter Frage 3 sehr ausführlich die unserer Organisation bekannt gewordenen Fälle von

Verfolgung von Christen im Iran dargestellt. Diese Referenzfälle belegen, dass in den vergangenen vier

Jahren fast ausschließlich Konvertiten, die in unabhängigen, freikirchlichen, evangelikalen

Hausgemeinden ihren Glauben praktiziert haben, Opfer von staatlichen Verfolgungsmaßnahmen sowie

von nicht-staatlichen Übergriffen geworden sind. Anhand der dargestellten Referenzfälle lassen sich

folgende Verfolgungsmuster feststellen:

1 Schweizerische Flüchtlingshilfe: Themenpapier – Christinnen und Christen im Iran, vom Oktober 2005;

US Department of State (USDOS): International religious freedom report 2007, vom 14.09.2007; Barbara Svec:

Christen im Iran – Eine Auswertung internationaler Quellen, veröffentlicht im Asylmagazin 4/2007; US

Commission on International Religious Freedom: Annual Report, vom Mai 2008; Berichte der UN

Sonderberichterstatterin für Religions- und Glaubensfreiheit, Asma Jahangir, letztmalig vom 28.02.2008,

A/HRC/7/19/Add.1.

2 US Department of State (USDOS): International Religious Freedom Report 2006, 15. September 2006.

Verwaltungsgericht Mainz

3. Kammer

z.Hd. Herrn Dany

Postfach 41 06

55031 Mainz

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 Anonyme Drohanrufe, Morddrohungen gegen Muslime, die zum Christentum konvertiert sind;

 Überwachung und Kontrolle von Treffen evangelikaler Christen in privaten Wohnungen durch die

iranischen Sicherheitskräfte;

 Razzien der Sicherheitskräfte bei Treffen von evangelikalen Hausgemeinden;

 Welle von Festnahmen von Mitgliedern freikirchlicher Hausgemeinden, vermutlich im

Zusammenhang mit Ergebnissen der Überwachung von Hausgemeinden bzw. Erkenntnissen, die durch

Verhöre evangelikaler Christen gewonnen wurden;

 Haft ohne Kontakt zur Außenwelt, Verhöre über christliche Aktivitäten und Befragung über andere

Gemeindemitglieder, Pastoren oder Gemeindeleiter;

 Psychologischer Druck auf die Inhaftierten, Schläge und Misshandlung, teilweise auch Folter

während der Haft ohne Kontakt zur Außenwelt zur Einschüchterung der Festgenommenen und

Erpressung von Informationen über andere Angehörige der Gemeinde;

 Ausübung von Druck, um Konvertiten zur Rückkehr zum Islam zu zwingen: Konvertiten werden

gezwungen, Erklärungen zu unterschreiben, in denen sie ihre Konversion widerrufen;

 Haftentlassung nach Hinterlegung hoher Kautionen, Besitzurkunden von Immobilien oder

Arbeitsverträgen;

 Einleitung von Ermittlungsverfahren, Androhung der Anklageerhebung als

Einschüchterungsmaßnahme;

 Verurteilung auf Bewährung oder Haftentlassung vor Ablauf der Haftstrafen verbunden mit der

Drohung, die Gesamtstrafe verbüßen zu müssen, wenn eine erneute Festnahme im Zusammenhang mit

der Religionsausübung erfolgt;

 Häufig eingesetzte Vorwürfe oder Anklagepunkte: „Aktivitäten gegen den Islam", „Handlungen gegen

die nationale Sicherheit" sowie konstruierte kriminelle Vorwürfe wie „Drogenhandel";

 Strenge Überwachung nach Freilassung, um Kontakte mit oder Wiederbelebung der Hausgemeinde

zu unterbinden.

Zusätzlich zu den genannten staatlichen Repressionen gegen evangelikale Christen ist zu erwähnen,

dass für Konvertiten eine weitere Gefährdung entstehen kann, wenn sie ins Visier radikal-militanter

Muslime geraten, die den Abfall vom Islam als ein mit dem Tode zu bestrafendes Vergehen betrachten.

Eine ähnliche Gefährdung für die physische Unversehrtheit von Konvertiten kann aus dem Kreis der

Familie ausgehen, wenn der Familie radikal-militante Muslime angehören, die einen Religionswechsel

nicht tolerieren. Eine Gefährdung für Konvertiten aus dem Kreis der Familienangehörigen dürfte latent

fast immer bestehen und in einigen Fällen bei Familienstreitigkeiten in eine konkrete staatliche

Verfolgung umschlagen, wenn eine Denunziation seitens Familienangehöriger bei der Polizei erfolgt.

Bei konvertierten Ehepaaren mit Kindern ist von einem erhöhten Gefährdungsrisiko auszugehen, da

eine christliche Erziehung der Kinder im überwältigend muslimischen Umfeld sehr wahrscheinlich

schwer zu verheimlichen sein dürfte. In diesem Zusammenhang ist zu ergänzen, dass davon

auszugehen ist, dass die Kinder aus Ehen von Konvertiten offiziell als Muslime gelten bzw. als solche

bei den Behörden registriert sind. Somit bleibt die Gefahr der Verfolgung und Repression als vom

islamischen Glauben Abtrünniger auch in der zweiten Generation bestehen.

Vor diesem Hintergrund ist zusammenfassend festzustellen, dass für evangelikale Christen und

Konvertiten die Möglichkeit einer ungehinderten Religionsausübung in privaten Hausgemeinden nicht

besteht.

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2. Hat sich diesbezüglich die Situation seit dem Amtsantritt des Präsidenten Ahmadinejad im

Juni 2005 verschlechtert?

Ebenso wie die Menschenrechtslage allgemein hat sich auch die Lage der religiösen Minderheiten –

insbesondere der evangelikalen Christen und Konvertiten, der Baha´is und der islamischen Sufi-

Gemeinschaften – in den vergangenen Jahren seit dem Amtsantritt des Präsidenten Ahmadinejad

verschlechtert.3 Amnesty International erhält regelmäßig Berichte, denen zufolge Angehörige religiöser

Minderheiten allein wegen ihres Glaubens schikaniert, diskriminiert und verhaftet werden.4 Von Zeit zu

Zeit schaffen Äußerungen hochrangiger politischer und religiöser Führer eine Atmosphäre, in der

Menschenrechtsverstöße durch nicht-staatliche Akteure ermutigt werden können. So stellte Ayatollah

Jannati, der Generalsekretär des Wächterrats, welcher die durch das Parlament verabschiedeten

Gesetze auf ihre Vereinbarkeit mit dem islamischen Recht überprüft, in einer Rede im November 2005

fest, dass „Menschen, mit Ausnahme der Muslime, den Tieren gleichen, die sich auf der Erde

herumtreiben und sich auf Korruption einlassen".5

Generell ist eine verschärfte Verfolgung und Unterdrückung abweichender Meinungen seit dem

Amtsantritt von Präsident Ahmadinejad festzustellen.6 Auf der Grundlage vage formulierter Gesetze

greifen die Sicherheitskräfte hart durch gegen alle von der offiziellen konservativen Regierungslinie

abweichenden oder regierungskritischen Bewegungen. Betroffen von diesem verschärften Vorgehen sind

neben Menschenrechtsaktivisten die unabhängigen Gewerkschafter und Studenten sowie die

Frauenrechtsaktivistinnen. Auch die in den vergangenen Jahren massiv verstärkte Unterdrückung

ethnischer und religiöser Minderheiten kann als Teil dieser staatlichen Repression gegen alle

diejenigen, die von der konservativen schiitischen Politik abweichen, verstanden werden.

Ein weiterer Indikator für die Verschlechterung der Lage iranischer Muslime, die zum Christentum

konvertieren, ist der Entwurf für eine Änderung des iranischen Strafrechts, welcher gegenwärtig dem

Parlament zur Diskussion vorliegt. Anfang 2008 wurde durch Medienberichte bekannt, dass die

iranische Justiz einen Entwurf des Strafrechts zur weiteren Beratung und Beschlussfassung dem

Parlament vorgelegt hat, welcher u.a. eine Ausweitung der bestehenden Tatbestände für die

Verhängung der Todesstrafe vorsieht. Neben „Hexerei", „Ketzerei (Irrlehre)" soll „Apostasie (Abfall vom

Islam)" in das Hadd-Kapitel des iranischen Strafgesetzbuches aufgenommen werden als eine Straftat,

die zwingend mit der Todesstrafe zu ahnden ist.7 Bislang gibt es im iranischen Strafgesetz keine

ausdrücklichen Bestimmungen, die den Abfall vom Islam unter Strafe stellen. Das islamische Recht

jedoch verbietet den Übertritt vom Islam zu einer anderen Religion und sieht für Apostasie die

Todesstrafe vor. Das iranische Strafrecht eröffnet für Richter die Möglichkeit, ihr Wissen über das

islamische Recht in den Fällen anzuwenden, zu denen das Strafgesetzbuch keine bestimmten

Regelungen enthält. Sollte die Änderung des iranischen Strafgesetzes in der gegenwärtig vorgelegten

3 Die UN Sonderberichterstatterin für Religions- und Glaubensfreiheit, Asma Jahangir, hat in ihren

Berichten an die UN Menschenrechtskommission / Menschenrechtsrat in den vergangenen vier Jahren regelmäßig

Fälle von Verfolgung Angehöriger der Baha´is, evangelikalen Christen und Sufis dokumentiert. Siehe: Report of the

UN Special Rapporteur vom 15.03.2005, E/CN.4/2005/61/Add.1; UN Special Rapporteur: Summary of Cases

transmitted to governments and replies received vom 27.03.2006, E/CN.4/2006/5/Add.1; Report of the UN

Special Rapporteur vom 8.03.2007, A/HRC/4/21/Add.1; Report of the UN Special Rapporteur vom 28.02.2008,

A/HRC/7/19/Add.1.

4 Siehe hierzu Amnesty International Jahresbericht 2006, S. 214; Amnesty International Jahresbericht

2007, S. 191f; Amnesty International Report 2008, S. 188.

5 Siehe Amnesty International Bericht: Iran – New government fails to address dire human rights situation",

Februar 2006, AI-Index: MDE 13/010/2006, S. 15.

6 Amnesty International Report 2008, S. 185; Human Rights Watch: „You can detain anyone for anything"

– Iran´s broadening clampdown on independent activism, vom Januar 2008.

7 Siehe BBC: EU attacks Iran´s new penal code, 26.02.2008; Spiegel online: Iran to punish apostasy with

death, 28.02.2008; Telepolis: Freie Hand für Todesurteile – Irans neues Strafgesetz, 16.06.2008.

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Form verabschiedet werden, gehen die meisten Beobachter von einer dramatischen Verschlechterung

der Lage iranischer Konvertiten aus. Denn damit wäre die Verhängung der Todesstrafe bei Abfall vom

Islam strafrechtlich zwingend vorgeschrieben. Zu welchem Zeitpunkt das iranische Parlament über den

Entwurf des Strafrechts entscheiden wird, ist nicht bekannt.

3. Sind konkrete Fälle bekannt geworden, die allgemein für ein härteres Vorgehen staatlicher

Stellen gegen die – nicht öffentliche – Religionsausübung sprechen?

Im Folgenden stellen wir ausführlich die Fälle von Verfolgung evangelikaler Christen und Konvertiten

dar, die Amnesty International in den vergangenen vier Jahren dokumentiert hat bzw. die von anderen

Organisationen oder christlichen Nachrichtendiensten, die sich auf die Dokumentation von

Verfolgungsmaßnahmen gegen Christen weltweit spezialisiert haben, veröffentlicht wurden.

Im September 2004 wurde die jährliche Konferenz der evangelikalen pfingstchristlichen Gemeinde

Assembly of God Ziel einer Razzia der iranischen Sicherheitskräfte. Am 9. September 2004 wurden die

85 Teilnehmer an dieser Versammlung in Karaj festgenommen. Jedem einzelnen Festgenommenen

wurden die Augen verbunden und es fanden eingehende Verhöre statt. Anhand der sehr spezifischen

Fragen wurde deutlich, dass die iranischen Behörden über sehr genaue Kenntnisse über jeden

einzelnen der Festgenommenen verfügten. Am Ende des Tages wurden 75 der Festgenommenen wieder

freigelassen, unter der Auflage, keine Gottesdienste mehr zu besuchen. Drei Tage später, am 12.

September, wurden neun weitere Pastoren und Kirchenälteste nach fortgesetzten Verhören freigelassen.

Lediglich der heute 50-jährige Laienpastor Hamid Pourmand verblieb in Haft ohne Kontakt zur

Außenwelt.

Hamid Pourmand konvertierte vor mehr als 25 Jahren als Anfang 20-Jähriger vom Islam zum

Christentum. Pourmand war Angehöriger der iranischen Armee und bekleidete zum Zeitpunkt seiner

Festnahme den Rang eines Obersts. Angaben von Familienangehörigen zufolge hat Pourmand seine

Konversion nicht verheimlicht und seine militärischen Vorgesetzten waren über seine

Religionszugehörigkeit informiert. Nach iranischem Recht ist es jedoch untersagt, dass Nicht-Muslime

innerhalb der Armee Positionen von Offiziersrang einnehmen.

Nach fünf Monaten Haft ohne Kontakt zur Außenwelt wurde Hamid Pourmand Ende Januar 2005

wegen „Täuschung der iranischen Armee über seine Religionszugehörigkeit" und wegen „Aktivitäten

gegen die nationale Sicherheit" vor einem Militärgericht in Teheran angeklagt. Obwohl der Anwalt von

Pourmand mehrere Dokumente vorlegte, die belegten, dass die militärischen Vorgesetzten von

Pourmand vor seiner Beförderung zum Offizier über seine christliche Religionszugehörigkeit informiert

waren, wurde Hamid Pourmand am 16. Februar 2006 nach einem unfairen Verfahren von dem

Militärgericht zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt. Mit dieser Verurteilung wurde Pourmand

automatisch aus der iranischen Armee entlassen. Die Familie Pourmand verlor ihr Einkommen, sie

mussten ihr Haus auf einem militärischen Gelände in Bandar-e Bushehr verlassen. Die während

Pourmands 20-jähriger Dienstzeit erworbenen Pensionsansprüche wurden ersatzlos gestrichen. Ein

weiteres Gerichtsverfahren gegen Hamid Pourmand vor einem Gericht in Bandar-e Bushehr, in welchem

ihm „Apostasie (Abfall vom Islam)" und „Missionierung" zur Last gelegt wurde, endete im Mai 2005

überraschend mit einem Freispruch. Möglicherweise hatten die internationalen Proteste gegen die

Anklage gegen Pourmand Einfluss auf diese Entscheidung. Berichten zufolge soll der Richter während

der Verhandlung gesagt haben, dass offenbar die ganze Welt seinen Fall kenne und er viele Anrufe von

der Regierung erhalten habe, die ihn gebeten habe, die Anklagen gegen Pourmand fallen zu lassen.

Amnesty International war der Auffassung, dass die Festnahme und spätere Verurteilung durch ein

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Militärgericht allein aufgrund seiner religiösen Überzeugung erfolgte und forderte die bedingungslose

Freilassung von Hamid Pourmand.8

Berichten von Compass Direct News (einer christlichen Nachrichtenagentur) zufolge soll Pourmand

während der ersten Zeit in Haft im Evin Gefängnis in Teheran von den Gefängniswächtern unter Druck

gesetzt worden sein, seine Konversion zum Christentum zu widerrufen.9 Am 20. Juli 2006 wurde

Hamid Pourmand 14 Monate vor Ablauf seiner Haftstrafe vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen.

Pourmand sei bei der Haftentlassung gewarnt worden, keine Gottesdienste zu besuchen, ansonsten

würde er erneut verhaftet werden und müsse dann die verbleibenden 14 Monate Reststrafe verbüßen.10

Ghorban Dordi Tourani, ein etwa 50-jähriger ethnischer Turkmene, war Pastor einer unabhängigen

Hausgemeinde von konvertierten Christen in Gonbad-e Kavus im Nordosten des Iran. Tourani wurde am

22. November 2005 von unbekannten Angreifern entführt und getötet, seine Leiche wurde in der Nähe

seines Hauses gefunden.11 Tourani stammte aus einer sunnitischen Familie und konvertierte vor mehr

als zehn Jahren während eines Aufenthalts in Turkmenistan vom Islam zum Christentum. Seit seiner

Rückkehr in den Iran 1998 soll er einem Bericht von Compass Direct News zufolge missionarisch tätig

gewesen sein. Tourani soll wegen seiner Konversion und seiner religiösen Aktivitäten von engen

Familienangehörigen physisch angegriffen worden sein. Darüber hinaus soll er von fanatischen

Muslimen Todesdrohungen erhalten haben.12 Nach der Ermordung von Tourani durchsuchten

Sicherheitskräfte das Haus der Familie nach Bibeln und christlichen Büchern in persischer Sprache.

Die Häuser aller den Behörden bekannten Christen in Stadt sollen Berichten zufolge auch von den

Sicherheitskräften durchsucht worden sein. In der Woche nach Touranis Ermordung sollen bis zu zehn

andere Christen in verschiedenen Städten kurzzeitig festgenommen worden sein. Beamte des

Geheimdienstministeriums sollen in der gleichen Zeit christlichen Führern der anerkannten Kirchen

mitgeteilt haben, dass sie die ihnen bekannten Pastoren der Hausgemeinden warnen sollen, dass „die

Regierung weiß, was sie tun, und dass wir bald kommen werden, um sie zu holen".13 Berichten zufolge

soll Ghorban Dordi Tourani der fünfte protestantische Pastor sein, der in elf Jahren durch unbekannte

Täter ermordet wurde.14

Am 2. Mai 2006 wurde der 51-jährige Ali Kaboli den Angaben von Compass Direct News zufolge in

seiner Tischlerwerkstatt in Gorgan im Nordosten des Landes festgenommen.15 Ali Kaboli sei bereits als

Jugendlicher vom Islam zum Christentum konvertiert. Der fünffache Vater habe seit Jahrzehnten eine

Hausgemeinde geleitet und in seiner Freizeit als Wanderprediger verschiedene Städte am Kaspischen

Meer besucht und kleine Versammlungen zum Bibelstudium abgehalten. Berichten zufolge sei Kaboli

seit vielen Jahren wegen seiner christlichen Aktivitäten von den Sicherheitskräften überwacht worden.

Er sei mehrfach kurzzeitig festgenommen oder zu Verhören vorgeladen worden. Er habe darüber hinaus

von Unbekannten Morddrohungen erhalten. Abgesehen von einem Anruf bei seiner Familie sei Ali

Kaboli sechs Wochen lang ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft gewesen. In den Wochen nach seiner

Festnahme seien viele Mitglieder seiner Hausgemeinde von den Sicherheitskräften vorgeladen und

8 Amnesty International: Prisoner of conscience appeal case – Hamid Pourmand: Imprisonment due to

religious belief, September 2005, AI-Index: MDE 13/060/2005.

9 Siehe Compass Direct News: Iran: Lawyer petitions for Christian´s early release, 08.03.2006.

10 Siehe Annual report of the United States Commission on international religious freedom, Mai 2007, S.

214.

11 Siehe Amnesty Bericht: Iran – New government fails to address dire human rights situation", Februar

2006, AI-Index: MDE 13/010/2006, S. 16.

12 Siehe Compass Direct News: Iran – Christians mourn martyred convert, 02.12.2005.

13 Siehe Amnesty Bericht: Iran – New government fails to address dire human rights situation", Februar

2006, AI-Index: MDE 13/010/2006, S. 16.

14 Compass Direct News: Iran – Convert stabbed to death, 28.11.2005.

15 Compass Direct News: Iran – Secret police arrest long-time convert, 22.05.2006; Compass Direct News:

Iran – Convert pastor released on bail, 13. Juni 2006.

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verhört worden. Am 12. Juni 2006 sei Ali Kaboli aus der Haft entlassen worden, nachdem seine

Familie eine hohe Kaution hinterlegt habe.

Nach Angaben von Compass Direct News wurde der damals 31-jährige Issa Motamedi Mojdehi am 24.

Juli 2006 festgenommen, als er einer Vorladung zur Polizei Folge leistete. Mojdehi soll vor neun Jahren

vom Islam zum Christentum konvertiert sein. Der Konvertit soll Berichten zufolge die Aufmerksamkeit

der Behörden auf sich gezogen haben, als er und seine Frau Parvah, die ebenfalls zum Christentum

konvertiert sei, für ihren gemeinsamen Sohn einen christlichen Vornamen ausgewählt hätten. Das

Ehepaar sei Mitglied der freien evangelikalen Gemeinde in Rasht. Offiziell sei Mojdehi

Rauschgifthandel zur Last gelegt worden. Nach Angaben von Compass Direct News sei Mojdehi jedoch

über seinen christlichen Glauben verhört und unter psychologischen Drohungen - auch Todesdrohungen

gegen seine Familie - gedrängt worden, zum Islam zurückzukehren. Am 24. August 2006 sei Mojdehi

einem Richter vorgeführt worden. Gegen Hinterlegung einer Kaution sei seine vorläufige Freilassung

angeordnet worden. Er soll Berichten zufolge mit seiner Familie an einen unbekannten Ort umgezogen

sein.16

Am 26. September 2006 wurde am frühen Morgen ein christliches Ehepaar in seinem Haus in

Mashhad im Nordosten des Iran festgenommen.17 Die damals 28-jährige Fereshteh Dibaj ist die jüngste

Tochter des christlichen Geistlichen Mehdi Dibaj, der 1994 im Iran ermordet wurde, nachdem er kurz

zuvor aus der Haft entlassen worden war. Er war 1984 festgenommen und nach neunjähriger Haft Ende

1993 wegen „Abfalls vom Glauben" zum Tode verurteilt worden, weil er etwa 45 Jahre zuvor zum

christlichen Glauben konvertiert war. Pastor Dibaj wurde zwar nach internationalen Protesten

freigelassen, die Anklagen gegen ihn wurden allerdings nicht fallengelassen. Am 24. Juni 1994

„verschwand" er und wurde am 5. Juli 1994 tot aufgefunden. Fereshteh Dibajs Ehemann, der damals

35-jährige Reza Montazemi, konvertierte im Alter zwischen 20 und 30 Jahren zum Christentum. Das

Ehepaar leitete eine unabhängige christliche Hausgemeinde.

Nach unserer Organisation vorliegenden Informationen drangen Angehörige der Sicherheitskräfte in

Zivilkleidung unter der Vorgabe, einen Durchsuchungsbefehl der zuständigen Behörde zu haben, in das

Haus von Frau Dibaj und Herrn Montazemi ein und durchsuchten es. Sie haben den Computer der

Familie und alle christlichen Bücher sowie persönliche Gegenstände beschlagnahmt. Reza Montazemi

konnte seine Mutter anrufen und sie bitten, die sechsjährige Tochter Christine abzuholen und sich um

sie zu kümmern. Das Ehepaar wurde dann in einem Fahrzeug ohne Nummernschild fortgefahren. Als

die Mutter von Reza Montazemi die Sicherheitskräfte fragte, wohin man ihren Sohn und ihre

Schwiegertochter gebracht hatte, erwiderten diese, man habe sie zur örtlichen Polizeiwache gebracht.

Als Familienangehörige sich daraufhin auf der Polizeiwache erkundigten, bestritten die

Sicherheitskräfte, das Ehepaar dort festzuhalten. Die Verwandten setzten ihre Suche während des

gesamten Tages fort und machten Fereshteh Dibaj und Reza Montazemi schließlich in einer lokalen

Einrichtung des Geheimdienstministeriums ausfindig. Die Behördenvertreter gaben weder Gründe für

die Festnahme der Eheleute an, noch durften die Familienangehörigen sie sehen.

Am 28. September 2006 erhielten die Eltern von Reza Montazemi die Mitteilung, das festgenommene

Ehepaar werde um 16 Uhr einem Revolutionsgericht vorgeführt. Nachdem die Eltern dort zwei Stunden

gewartet hatten, teilte der Richter ihnen mit, er wisse nicht, warum die Polizei die Gefangenen nicht

zum Gericht gebracht habe. Unbestätigte Berichte deuten darauf hin, dass das Verfahren gegen

Fereshteh Dibaj und Reza Montazemi am 28. September 2006 hinter verschlossenen Türen stattfand.

16 Siehe Compass Direct News: Iran – Government „officially" charges ex-Muslim with drug traffficking,

08.08.2006; Compass Direct News: Iran – Jailed convert to Christianity released, 04.09.2006.

17 Siehe AI Urgent Action vom 02.10.2006, AI-Index: MDE 13/115/2006; AI Urgent Action vom

10.10.2006, AI-Index: MDE 13/117/2006; Radio Free Europe/Radio Liberty: Detained Christian couple´s family

seeks answers, 09.10.2006.

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Am 5. Oktober 2006 mussten die Eltern von Reza Montazemi morgens im Revolutionsgericht

erscheinen, um für ihren Sohn und die Schwiegertochter eine Kautionssumme in Höhe von

umgerechnet etwa 25.000 US$ zu hinterlegen. Um diese Summe aufzubringen, mussten die Eltern

dem Gericht die Besitzurkunde für eine Immobilie aushändigen. Wenige Stunden danach wurde das

Ehepaar von der Polizei auf freien Fuß gesetzt.

Die Eheleute wohnten im Haus der Mutter von Reza Montazemi. Zwei Tage vor der Haftentlassung

sollen die Eltern von Reza Montazemi angewiesen worden sein, ein Dokument zu unterzeichnen, in dem

sie zusagten, dass in dem Haus keine christlichen Versammlungen, Gebetsstunden oder Bibelkreise

mehr stattfinden. Ob Fereshteh Dibaj und Reza Montazemi als Bedingung für ihre Freilassung ein

ähnliches Dokument unterzeichnen mussten, ist nicht bekannt. Laut Angaben des Bruders von

Fereshteh Dibaj, der nach der Freilassung mit ihr und ihrem Mann sprechen konnte, sind die Eheleute

während der Haft nicht misshandelt worden.

Wenige Monate später, im Dezember 2006, kam es Berichten zufolge zu Festnahmen zahlreicher

evangelikaler Christen in Teheran, Karaj und Rasht durch Angehörige des Geheimdienstes.18 Seit dem

10. Dezember 2006 wurden mehrere Mitglieder einer sich selbst als evangelikal bezeichnenden

Bewegung von Hausgemeinden, der etwa 600 Mitglieder angehören sollen, festgenommen, einige Tage

lang verhört und wieder auf freien Fuß gesetzt. Die iranische evangelikale Gemeinschaft soll sich von

dieser Bewegung wegen ihrer unorthodoxen Lehren (z.B. die Ablehnung der Heiligen Dreieinigkeit)

distanziert haben. Mindestens elf namentlich bekannte Pastoren und aktive Mitglieder dieser

christlichen Bewegung wurden länger als einige Tage in Haft gehalten. Seit dem 14. Dezember wurden

die evangelikalen Christen sukzessiv bis Anfang Januar 2007 gegen Zahlung hoher Kautionen,

Hinterlegung von Besitzurkunden für Immobilien oder Übergabe von Arbeitsverträgen aus der Haft

entlassen.

Einem Bericht der persischsprachigen Nachrichtenagentur Farsi Christian News Network vom 1. August

2007 zufolge soll ein aus Sicherheitsgründen lediglich als A. Sh. bezeichneter Konvertit am 4. Mai

2007 festgenommen worden sein, nachdem er in einen Autounfall mit Angehörigen der

Sicherheitskräfte verwickelt war. Drei Angehörige der Sicherheitskräfte sollen den Konvertiten nach

dem Unfall beschimpft und sein Auto durchsucht haben. Dabei sei eine Bibel und christliche DVDs im

Auto des Konvertiten entdeckt worden. Der Konvertit sei in eine Einrichtung der Sicherheitskräfte

verbracht worden, wo er zwei Tage lang wegen seines Abfalls vom Islam misshandelt und gefoltert

worden sei, unter anderem durch Auspeitschung.19

Im September 2007 soll ein christliches Ehepaar in Golar Dasht wegen seines Glaubens der

Prügelstrafe unterzogen worden sein.20 Den Angaben von Farsi Christian News Network vom 11.

Oktober 2007 zufolge, soll es sich bei dem Ehemann um einen Konvertiten handeln, der viele Jahre vor

seiner Eheschließung vom Islam zum Christentum übergetreten sei. Die Ehefrau sei eine gebürtige

christlich-assyrische Iranerin. Das Paar habe vor sieben Jahren geheiratet. Da die anerkannten

christlichen Kirchen im Iran Eheschließungen zwischen ethnischen Christen und Konvertiten in der

Regel nicht vollziehen, habe sich das Paar entschlossen, die Eheschließung nach der islamischen

Zeremonie zu vollziehen. Das christliche Ehepaar sei Mitglied einer Hausgemeinde und sei im

September 2005 gemeinsam mit anderen Gemeindemitgliedern von Sicherheitskräften bei einem

privaten Gottesdienst festgenommen worden. Beinahe zwei Jahre später, im Juli 2007, sei der Fall

18 Siehe Report of the UN Special Rapporteur on freedom of religion or belief, vom 28.02.2008,

A/HRC/7/Add.1, S. 30f; Compass Direct News: Iran – Authorities arrest eight leaders of house church movement,

14.12.2007; Compass Direct News: Iran – Iran still holding house church leader, 04.01.2007.

19 Farsi Christian News Network: Torturing an Iranian Christian for his confession of faith in Christ,

01.08.2007; Catholic News Agency: Man in Iran lashed for being a Christian, 15.08.2007.

20 Siehe Amnesty Report 2008, S. 188.

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einem Gericht übertragen worden. Bei der Verhandlung habe sich die Ehefrau vor dem Richter als

assyrische Christin bezeichnet, woraufhin der Richter festgestellt habe, sie sei vom Islam abgefallen.

Denn nach islamischem Recht sei die islamische Eheschließung von Nicht-Muslimen gleichbedeutend

mit dem Übertritt zum Islam. Das Ehepaar sei vom Gericht unter der Auflage entlassen worden, sich

regelmäßig bei den Behörden zu melden, bis das Urteil gefällt sei. Dieser Auflage sei das Ehepaar

nachgekommen, bis die Ehefrau im September bei der Vorsprache bei den Behörden von einem

Beamten in Zivil sexuell belästigt worden sei. Daraufhin habe sie nicht mehr bei den Behörden

vorgesprochen. Einige Tage später seien zwei weibliche und vier männliche Sicherheitskräfte mit einer

schriftlichen Anordnung des Gerichts im Haus des Ehepaares erschienen. Dieser gerichtlichen

Anordnung zufolge sei gegen das Ehepaar eine Prügelstrafe verhängt worden, die sofort im Haus des

Ehepaares zu vollstrecken sei.

Auch in diesem Jahr sind unserer Organisation Schikanen gegen und Festnahmen von zum Christentum

konvertierten Iraner/innen bekannt geworden. So wurden im April 2008 in Amol ein Mann und seine

schwangere Ehefrau, bei denen es sich um konvertierte Christen handeln soll, festgenommen. Während

die Ehefrau bereits nach drei Tagen aus der Haft entlassen wurde, wurde der Ehemann nach einem

Monat in Haft nach Hinterlegung einer hohen Kaution Ende Mai freigelassen. Berichten zufolge soll

gegen ihn ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden sein.21

Im Mai 2008 kam es zu einer Welle von Festnahmen von zum Christentum konvertierten Iraner/innen

in der Stadt Shiraz.22 Am 11. Mai – einem Sonntag - wurde der 21-jährige Konvertit Mojtaba Hussein

gemeinsam mit seinem Vater, einem Bruder und einer Schwester im Haus der Familie in Shiraz

festgenommen. Die Sicherheitskräfte durchsuchten das Haus und beschlagnahmten Bücher, CDs,

Computer und Drucker. Mit Ausnahme von Mojtaba Hussein wurden alle Familienangehörigen kurze

Zeit später wieder freigelassen. Der Familie wurde nicht mitgeteilt, wo Mojtaba Hussein festgehalten

wird. Auch der Grund seiner Festnahme wurde nicht genannt. Anträge auf Besuchserlaubnis wurden

zurückgewiesen. Erst drei Wochen später, am 2. Juni 2008, wurde Mojtaba Hussein gegen Kaution von

umgerechnet 20.000 US$ freigelassen. Dem jungen Konvertiten werden „Aktivitäten gegen die

Staatsreligion" zur Last gelegt. Ein Termin für die Gerichtsverhandlung wurde bislang nicht festgelegt.

Er befindet sich zu Hause und wird streng überwacht.

Neben der Familie von Mojtaba Hussein wurden am 11. Mai acht weitere christliche Konvertiten in

Shiraz festgenommen und später wieder freigelassen. Alle warten auf ihre Gerichtsverhandlungen. Zwei

der Konvertiten wurden wegen „Aktivitäten gegen den Islam" angeklagt, den sechs anderen Konvertiten

wurden „Aktivitäten gegen die nationale Sicherheit" zur Last gelegt.

Zwei weitere Konvertiten, Mahmoud Matin und Arash, wurden am 13. Mai 2008 in einem Park in

Shiraz festgenommen. Es ist weder bekannt, warum sie festgenommen wurden, noch an welchem Ort

sie inhaftiert sind. Amnesty International vermutet, dass ihre Festnahme mit ihrer Konversion und

damit mit ihrer religiösen Überzeugung in Verbindung steht. Bei Fertigstellung dieses Gutachtens

Anfang Juli waren die beiden Konvertiten Berichten zufolge weiterhin in Haft.

Ein weiterer Konvertit, der 44-jährige Mohsen Namvar, wurde am 31. Mai 2008 von acht Polizisten in

seinem Haus in Teheran festgenommen. Die Sicherheitskräfte beschlagnahmten seinen Computer,

Drucker, CDs, Bücher und Geld. Sie weigerten sich, den Grund für die Festnahme von Mohsen Namvar

zu nennen. Sein Haftort ist unbekannt. Mohsen Namvar war bereits im Frühjahr 2007 in Haft, offenbar

weil ihm vorgeworfen wurde, Muslime, die zum Christentum konvertieren wollten, getauft zu haben.

21 Siehe Compass Direkt News: Iran – Christian arrested without charges, 09.06.2008.

22 Siehe AI Urgent Action vom 30.05.2008, AI-Index: MDE 13/076/2008; AI Urgent Action vom

11.06.2008, AI-Index: MDE 13/079/2008.

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Berichten zufolge wurde er in Haft mit Elektroschocks an seinem Rücken gefoltert, so dass er nicht

mehr laufen konnte. Nach seiner Freilassung musste er sich einer Rückenoperation unterziehen.

Mittlerweile kann Mohsen Namvar zwar wieder laufen, aber langes Sitzen und Stehen bereitet ihm

Schmerzen.23 Compass Direct News berichtet, dass Mohsen Namvar am 26. Juni aus der Haft

entlassen wurde. Seine Familie soll eine Summe in Höhe von umgerechnet 43.000 US$ an die Polizei

gezahlt haben, um seine vorläufige Freilassung zu erwirken. Berichten zufolge soll es sich hierbei nicht

um eine vom Gericht angeordnete Kaution gehandelt haben. Es wird vermutet, dass Namvar in Haft

misshandelt und schwer geschlagen worden sein soll. Ein Arzt, der in nach seiner Freilassung

behandelte, habe berichtet, dass Namvar unter hohem Blutdruck und Fieber leidet und seine Arme und

Beine gezittert haben. Namvar sei jedoch nicht bereit gewesen, seiner Frau oder Freunden detaillierte

Informationen über die Behandlung in der vierwöchigen Haft mitzuteilen. Die Ehefrau von Namvar habe

während seiner einmonatigen Haft Drohanrufe erhalten, in denen Unbekannte gedroht haben, sie zu

töten, weil sie den Islam ablehnen.24

Von einem weiteren Fall der Festnahme, Misshandlung und Bedrohung eines jungen iranischen

Ehepaars, welches vor etwa drei Monaten zum Christentum konvertiert sei, wird auf der Webseite von

Compass Direct News berichtet.25 Die 28-jährige Tina Rad und ihr 31-jähriger Ehemann Makan Arya

sollen Treffen zum Bibelstudium in ihrer Wohnung abgehalten und eine Hausgemeinde besucht haben.

Am 3. Juni 2008 sei das Ehepaar in seinem Haus in Teheran festgenommen und persönliche

Gegenstände wie Computer, Bücher, CDs und ein Fotoalbum seien beschlagnahmt worden. Das

Ehepaar sei vier Tage lang festgehalten, verhört und dabei misshandelt worden. Die Verhöre sollen sich

um ihre Konversion zum Christentum, ihre Teilnahme an Gottesdiensten und Bibelstudien gedreht

haben. Sie seien aufgefordert worden, zu kooperieren und die Namen anderer Teilnehmer an den

Versammlungen der Hausgemeinde zu benennen. Sie seien darüber hinaus bedroht worden noch viel

schärfer bestraft zu werden, wenn sie weiterhin an den christlichen Treffen teilnehmen würden. Beide

seien in Haft gezwungen worden, eine Erklärung zu unterzeichnen, in der sie sich vom Christentum

distanzieren und zusichern, keinen Kontakt mit Christen zu pflegen. Tina Rad seien „Aktivitäten gegen

den Islam" zur Last gelegt worden. Ihrem Ehemann sei vorgeworfen worden, er habe „gegen die

nationale Sicherheit gehandelt". Gegen die Zahlung hoher Kautionen (im Fall von Tina Rad

umgerechnet 30.000 US$ und im Fall von Makan Arya umgerechnet 20.000 US$) sei das Ehepaar

nach vier Tagen auf freien Fuß gesetzt worden.

Nach den Angaben von Compass Direct News soll die Festnahme des Ehepaars erfolgt sein, nachdem

ein Verwandter von Makan Arya die Polizei über die christlichen Aktivitäten informiert habe. Auch nach

der Freilassung soll weiterhin Druck auf die beiden Konvertiten ausgeübt werden: Der Vater von Makan

Arya soll von seinem Sohn verlangen, sich von seiner Ehefrau scheiden zu lassen. Unbekannte sollen

das Fenster des Bekleidungsgeschäfts, welches das Ehepaar betreibt, eingeschlagen haben. Es wird

berichtet, dass das Ehepaar Drohbriefe und –anrufe erhält, in denen u.a. gefordert worden sein soll,

dass die Konvertiten ihre Rückkehr zum islamischen Glauben durch das Aushängen entsprechender

Erklärungen in ihrem Geschäft öffentlich bekunden sollen.

Mit freundlichen Grüßen

gez.

Ruth Jüttner

Referentin Naher und Mittlerer Osten

23 AI Urgent Action vom 11.06.2008, AI-Index: MDE 13/079/2008.

24 Siehe Compass Direct News: Iran – Authorities „temporarily" release badly injured Christian, 3.07.2008.

25 Siehe Compass Direct News: Iran – Convert couple arrested, tortured, threatened, 25.06.2008.

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