Donnerstag, 11. Juni 2009

Auf das Herz kommt es an



Predigttext: "Glückselig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen."
(Matthäus 5,8)


Wir sehen in dieser Seligpreisung, daß Jesus die Bedeutung des Herzens betont. Natürlich meint Er damit nicht das physische Organ, sondern das seelisch-geistige Zentrum des Menschen, den Kern seiner Persönlichkeit. Im Herzen nämlich ist der Mensch das, was er wirklich ist. Darum spricht Petrus von "dem verborgenen Menschen des Herzens" (1. Petrus 3,4), denn das Herz ist da, wo die wahren Wurzeln und Beweggründe, wo unser Denken, Reden und Handeln angesiedelt sind. Deshalb sagt die Bibel: "Alles, was ihr tut, tut von Herzen" (Kolosser 3,23) . Es heißt nicht: "Alles, was ihr tut, das tut laut" oder: "das tut gern", sondern: "das tut von Herzen". "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften" (Markus 12,30). Das heißt: durch und durch, ganz und gar aufrichtig.
Hier ist jetzt wichtig zu erfahren, was die Bibel über den Zustand des menschlichen Herzens lehrt.

Es ist böse von Jugend auf
In unserer Zeit wird das nicht gerne gehört, wenn man sagt: Das menschliche Herz ist von Natur aus böse. Aber die Bibel macht eindeutig klar, daß es nicht rein ist, nicht lauter, nicht aufrichtig und nicht ehrlich, sondern vom Sündenfall her ist unser Herz durchtrieben. "...denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf" (1. Mose 8,21). In Römer 1,21 sagt der Apostel Paulus: "Sie sind dem Nichtigen verfallen in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert." Und Jesus erklärt: "Von innen" - und nicht von außen, wie man heute gerne behauptet - "aus dem Herzen der Menschen, kommen heraus böse Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Mißgunst, Lästerung, Hochmut. Alle diese bösen Dinge kommen von innen heraus und machen den Menschen unrein" (Markus 7,21-23). Hier kann man den Bezug zur Seligpreisung klar erkennen. "Glückselig sind die", sagt Jesus, "die ein reines Herz haben."

Von Natur aus haben wir kein lauteres, kein reines Herz. Und das ist unser aller Unglück, das ist unsere menschliche Not.
Leider läßt man diese Diagnose der Heiligen Schrift, wie schon erwähnt, heutzutage außen vor. Man stellt die ganze Sache auf den Kopf und meint: Nicht der Mensch ist böse und sein Herz, sondern nur das, was von außen auf ihn einwirkt, macht ihn böse. Seine Umstände, seine Mitmenschen, die schlechte Regierung, der böse Sozialstaat oder auch die schlechten Erzieher sind schuld. Das Böse im Menschen sei nur eine Reaktion darauf. Aber Jesus lehnt eine solche Sichtweise ab. Und wer die Bibel liebhat und sie als Gottes Wort anerkennt, der kann dieser modernen humanistischen und vermeintlich menschenfreundlichen These auch nicht zustimmen. Denn Jesus selbst lehrt: "Aus dem Herzen, aus dem Menschen selbst, von innen heraus kommt die Sünde."
Und wenn wir die in unserem Bibelvers zitierte Seligpreisung wirklich erfassen wollen, können wir diese biblische Diagnose nicht außer acht lassen: "Sie sind dem Nichtigen verfallen in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert" (Römer 1,21). In diesem Kontext sagt Jesus: "Selig sind, die reinen Herzens sind; sie werden Gott schauen" (Matthäus 5,8). Da ist ein Zusammenhang zwischen einem reinen Herzen und Gotteserkenntnis und einem unreinen Herzen und Gott nicht erkennen können. Damit sind wir bei einer weiteren Beschaffenheit des menschlichen Herzens:

Es kann nicht sehen
Ein unreines Herz macht blind. Es kann nicht richtig sehen. Das kann man schon im ganz normalen Leben erkennen. Denken wir nur einmal an die Sünde der Geldgier - wie blind macht sie! Ein Beispiel: Da ist ein Verkäufer, der mit einem Laien ein Geschäft macht. Der arme Kerl unterschreibt den Vertrag, nicht wissend, daß in diesem allerlei "Pferdefüße" enthalten sind, so daß seine ganze Familie in Mitleidenschaft gezogen wird. Nun kommt jemand dazu, der die Sache objektiv betrachtet, und der sagt zu dem Geschäftsmann: "Findest du das moralisch in Ordnung, was du da machst? Kannst du denn nicht sehen, daß du die Familie mit einem solchen Geschäft in den Ruin treibst?" Der Verkäufer antwortet ihm: "Das mag sein, aber es ist doch nicht meine Pflicht, den Mann zu informieren. Das muß der Kunde selber wissen." Dieser Mensch hatte lauter Geldscheine vor Augen. Sein Herz konnte die Wirklichkeit nicht mehr erkennen. Die Geldgier, das unsaubere Herz hatten ihn blind gemacht für Wahrheit, für Ehrlichkeit, für Sauberkeit und Ethik.
Oder betrachten wir die Sünde der Spielsucht. Die Vernunft lehrt, daß diese immer tiefer in Verschuldung führt, aber das lasterhafte Herz kann das nicht sehen. Es hat nur Spielautomaten und Roulettes und natürlich Geldscheine vor Augen, aber nicht die objektiven Fakten. Auch König David konnte eine lange Zeit nicht sehen. Ihm war nicht klar, was er mit Bathseba, der Frau, die ihm nicht gehörte, tat. Er meinte sogar noch, den Mord ihres Ehemannes rechtfertigen zu können. Das böse Herz hatte ihm völlig den Blick verstellt. Aber Gott sei Dank kam dann der Prophet Nathan, und es fiel David wie Schuppen von den Augen, so daß er die Realität wieder klar erkennen konnte.
Die Sünde des Ehebruchs bedeutet Treulosigkeit und Hintergehung. Du weißt auch, daß deine Frau bzw. dein Mann dadurch schrecklich traurig und enttäuscht wird und daß es auch das Glück der Kinder zerstört wird. Eigentlich siehst du das ganz klar. Jeden Tag kann man in der Zeitung von dem Elend und den psychischen Folgeschäden der vielen Scheidungswaisen aus kaputten Ehen und Familie lesen. Aber man sieht nicht mehr hin, man stürzt sich nur noch blind ins Verderben. Das macht die Sünde, das unreine Herz.
Wir sehen, daß das Prinzip, von dem Jesus redet, bereits für das ganz praktische Leben gilt. Ein unreines Herz schaltet die Vernunft aus und macht blind. Aber wieviel mehr gilt das bezogen auf Gott! Jesus sagt: "Der Folgeschaden ist für den, der ein unreines Herz hat, noch viel größer, denn er kann Gott nicht erkennen, er kann den himmlischen Vater nicht schauen." Das heißt, er kann keine Erkenntnis von Gott haben und auch keine Gemeinschaft mit Ihm erleben.

Der bekannte Missionar Janfrüchte befand sich, wie es früher ja üblich war, für mehrere Wochen auf einer Schiffsreise nach Brasilien. Er war ein bekennender Christ und bezeugte natürlich auch seinen Mitreisenden gegenüber seinen Glauben an Christus. Aber diese Burschen drehten den Spieß um und verspotteten ihn und lachten und lästerten über ihn. Der Kapitän machte dabei auch mit. Eines Tages war er auf dem Deck mit einem Fernrohr in der Hand, er suchte den Himmel ab und rief: "Ich kann ihn nicht sehen, ich kann ihn nicht sehen!" Die Menschen kamen aus ihren Kajüten heraus und wollten wissen, was los war. Was konnte der Kapitän nicht sehen? Auch der Missionar befand sich in der Menge. Der Kapitän sagte: "Ich kann Gott nicht sehen. Es gibt Ihn nicht." Der christliche Bruder nutzte die Gelegenheit und rief ganz laut: "Das ist doch selbstverständlich, daß du Gott nicht sehen kannst! Denn in meiner Bibel steht: Nur die reinen Herzens sind, können Gott schauen! Nun weißt du, warum du Gott nicht sehen kannst - du hast kein reines Herz."
Ich finde, dieser Bruder hatte recht. Zu einem Verhalten wie seinem gehört Mut. Ich möchte auch so mutig sein und allen denen, die behaupten, es gäbe keinen Gott, sagen: "Du kannst Gott nicht deshalb nicht sehen, weil es Ihn nicht gibt, sondern deshalb, weil du nicht richtig sehen kannst. Dein Herz ist verblendet, es ist wie ein Auge, das nicht sehen kann. Die Dunkelheit, die geistliche Finsternis hat dir den Blick verstellt." So geht es eigentlich allen Menschen, die sagen: "Es gibt keinen Gott, ich kann Ihn nicht sehen." Das liegt an ihrem unreinen Herzen. Denn Jesus hat gesagt: "Glückselig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen" (Matthäus 5,8).

Das menschliche Herz ist, wie gesagt, wie ein Auge, das nicht sehen kann - wenn es z. B. verschmutzt ist. Wer schon einmal Sand im Auge hatte, weiß, daß man dann nur noch mit Reiben beschäftigt ist, von Sehen keine Spur mehr. Genauso ist es, wenn die Augen krank sind oder man eine Behinderung am Augenlicht hat. Dann kann man die schönen Blumen um sich herum nicht erkennen. Aber man kann deswegen doch nicht einfach behaupten, es gäbe keine Blumen. Analog kann man auch nicht behaupten, es gäbe keinen Gott und kein ewiges Leben, nur weil die Sünde den Menschen geistlich blind gemacht hat. Laß einmal dein Herz sauber machen - dann wirst du dich wundern, was du alles Wunderbares sehen kannst! Und noch einmal: Du fragst nach Gott und meinst, es gäbe Ihn nicht, weil du Ihn nicht sehen kannst? Das liegt daran, weil du Splitter und Balken im Auge hast. Du hast ein unsauberes Herz, da ist Dunkelheit und Finsternis. Es muß Licht angemacht werden. Wenn du aber ein reines Herz hast, wenn du von Gott gesäubert worden bist, dann kannst du wieder sehen bzw. überhaupt erst sehen! Das kann man vielleicht nicht verstehen, aber von Herzen glauben. Jesus hat diesen Zusammenhang hergestellt, Er hat gesagt: "Du kannst Gott schauen - aber nur, wenn du ein reines Herz hast."
Sünde und Gotteserkenntnis passen nicht zusammen. Hättest du ein reines Herz, dann würdest du Gott bereits in der Natur erkennen. Das wäre ganz automatisch so - ebenso, wie du fest davon überzeugt bist, daß der Anzug, den du anhast, nicht von selbst oder durch irgendeinen Urknall entstanden ist, sondern daß ihn jemand gefertigt hat.
Diese Geschichte mit dem Urknall ist sowieso sehr eigenartig. Wenn sie wahr wäre, wäre es ja so, als ob ein Wirbelwind über einen Haufen Trümmer herfahren würde, und als Ergebnis käme ein wunderbarer Jumbo-Jet heraus. Das ist natürlich unmöglich. Aber der Mensch meint: "So war es bei der Entstehung der Erde, sie ist von selbst entstanden." Des Menschen Herz ist unrein, er glaubt nicht an seinen Schöpfer und sagt: "Ich kann Ihn nicht sehen."
Dabei macht doch schon die Vernunft klar: Alles, was gemacht ist, ist gemacht. Und wenn es der Mensch nicht gemacht hat, dann war es doch auch nicht der Urknall!
Wenn du ein reines Herz hättest, würdest du Gott auch in der Heiligen Schrift, im Evangelium sehen und somit Christus als den Sohn Gottes, als deinen Heiland und Erretter erkennen. In dem Moment, in dem Gott dein Herz gereinigt hat, fängst du an, die Bibel zu lieben und die Wahrheit in ihr zu erkennen. Allen Menschen, deren Herz durch das teure Blut Jesu Christi gereinigt wurde, können Gott in Jesus Christus erkennen.
Da entsteht auf einmal die Fähigkeit, Ihn in der Schöpfung, in Seinem Wort und auch in der Gemeinde zu erkennen. Dann, wenn du ein reines Herz hast, wirst du auch in der Gemeinde die auserwählte Braut Jesu Christi erkennen, du wirst Gott in der Gemeinde sehen. Nur wer ein unreines Herz hat, wird die Gemeinde herabsetzen, sie nur als Verein betrachten und sie beständig kritisieren. Aber wenn du ein reines Herz hast und die Gemeinde der Erstgeborenen mit einem sauberen Herzen anschaust, dann wirst du in ihr auch ihren Bräutigam entdecken. Ein reines Herz ist gleichzusetzen mit einem neuen Herzen. Deshalb sagt Jesus: "Wenn jemand nicht von neuem geboren ist, so kann er das Reich Gottes nicht sehen" (Johannes 3,3). Aber wenn du von neuem geboren wirst, wenn du von Gott gereinigt wirst, vermittelt dir der Heilige Geist im gleichen Atemzug den rettenden Glauben, durch den du mit dem Herrn Jesus Christus eins gemacht wirst. Jesus zieht durch den Heiligen Geist in deinem Herzen ein. Diese Reinigung vollzieht Christus nicht mit irdischem Wasser und mit Seife, sondern mit Seinem teuren, vergossenen Blut, mit dem Er uns als Hoherpriester besprengt und uns reinigt von unserem bösen Gewissen.

Das möchte ich all denen zurufen, die sich vielleicht erstmalig oder wie nie zuvor nach einem reinen Herzen sehnen: Es geschieht durch das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes. Sein Blut macht uns rein, es macht uns rein von aller Sünde. Hier sind wir beim Kern des herrlichen Evangeliums!
Mit dem reinen Herzen steht und fällt also letzten Endes die Beziehung zu Gott. Der Psalmist sagt: "Ich habe den Herrn allezeit vor Augen; steht er mir zur Rechten, so werde ich fest bleiben" (Psalm 16,8) . Das ist ein Geschenk, allezeit den Herrn zu sehen, allezeit Ihn vor Augen zu haben, Ihn zu erkennen. In Psalm 17,15 heißt es: "Ich aber will schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit. Ich will satt werden, wenn ich erwache, an deinem Bilde." Ja, Gott schauen bedeutet Sättigung für die Seele.

Amen!

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