
Wir möchten anhand der Bibel herausfinden, in welchen konkreten Lebensbereichen das Evangelium eine Kraft ist für Menschen, die ihm glauben und vertrauen.
In unserem Bibelvers lesen wir, daß es Gottes Kraft ist zur Rettung. Rettung bedeutet in erster Linie die Errettung von unserer Verstrickung in Schuld und damit das ewige Leben. Aber das Evangelium wirkt so stark in die Sphären unseres menschlichen Seins und in verschiedene problembeladene Bereiche des Lebens hinein, daß man wirklich sagen kann: das Evangelium ist ein Halt, eine Stärke für unser tägliches Leben.
Kraft zur Sinnerfüllung
Denken wir nur an das Thema der Sinnerfüllung. Millionen Menschen leben heute in großer innerer Trostlosigkeit. Sie fühlen die Sinnlosigkeit ihres Daseins. Nicht nur Menschen ohne Ausbildungsperspektive fühlen diese innere Leere. Nicht nur die Armen und Arbeitslosen leben ohne Sinnerfüllung, sondern auch die Reichen, Gebildeten und Berühmten. Letztendlich ist, wie Salomo sagt, alles eitel unter der Sonne.
Erst hast du hundert Euro und freust dich. Dann willst du tausend und freust dich, wenn du auch die bekommen hast. Danach aber willst du erst zehntausend, dann hunderttausend und schließlich eine Million. Am Ende möchtest du Milliardär werden. Aber glücklich bist du nie! Denn wie kommt es denn, daß auch Millionäre, Prominente und Superstars im Alkohol versacken und mitunter sogar Selbstmord begehen? Sie sind wegen ihres Geldes und ihres Ruhmes eben auch nicht glücklicher als z. B. Sozialhilfeempfänger.
Die Bibel erklärt uns den Grund dafür. Sie sagt von Gott und den Menschen: "Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt" (Prediger 3,11). Der ewige Gott, nach dessen Ebenbild wir geschaffen, den widerzuspiegeln wir berufen und zu dessen Ehre und Herrlichkeit wir zu leben bestimmt sind, hat die Ewigkeit in unser Herz gelegt. Und das spürt jeder Mensch. Da ist ein Unbefriedigtsein, ein Hunger in unserer Seele, der nicht mit materiellen Dingen gestillt werden kann. Denn die Ewigkeit ist im Herzen eines jeden Menschen, jeder besitzt eine unsterbliche Seele.
Wenn man einem Adler seine Freiheit raubt und ihn in einen engen Käfig steckt, wird er bei gutem Futter vielleicht irgendwann ruhig. Aber tief in seinem Wesen steckt eine verborgene Sehnsucht, die ihn sehr traurig aussehen läßt, auch wenn er bestens versorgt wird. So erklärt sich die Urdepression, von der alle Menschen befallen sind. Sie können nicht wirklich glücklich sein, denn Gott hat doch die Ewigkeit in ihr Herz gelegt.
Hier kommt jetzt die Kraft des Evangeliums hinein. Ein glaubender Mensch hat seinen Bezugspunkt nicht mehr hier auf der Erde, irgendwo in Geld, Besitz, im Vergnügen, in der Sexualität, im Erfolg, auch nicht in einem lieben Menschen, der irgendwann sterben muß, sondern er hat seine Verankerung im Himmel. Er hat seine ewige Bestimmung wiedergefunden. Seine Hoffnung stirbt selbst im Tode nicht. Der Friedhof ist für ihn nicht Endstation, sondern Eingang in die ewige Herrlichkeit Gottes, durch die Perlentore ins neue Jerusalem, zu Jesus Christus, unserem Erlöser.
Wir sind zum ewigen Leben berufen. Das ist die Kraft, die im Evangelium steckt und die auch einen depressiven und traurigen, einen hoffnungslosen Menschen wieder fröhlich macht, weil er Hoffnung über den Tod hinaus hat. Wenn wir das Evangelium wirklich erfassen, werden wir merken, wie seine Kraft wirkt und unser Herz fröhlich wird aufgrund der Hoffnung auf den Himmel und die Ewigkeit.
Paulus sagte: "Ich habe Lust, abzuscheiden" (Philipper 1,23). Solche Sätze in der Heiligen Schrift von Männern Gottes sind ein Beleg dafür, welche Kraft das Evangelium hat. So auch die Aussage des Apostels zwei Verse zuvor: "Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn." Dieser Mann fürchtete sich nicht mehr vor dem Tod, denn er wußte, daß dieser nur der Eingang in das ewige Leben ist. Bitte den Herrn Jesus, daß auch du diese Kraft des Evangeliums erfährst!
Kraft zum inneren Frieden
Ein anderer Aspekt, in dem das Evangelium seine Kraft in unserem Leben entfaltet, ist die Schuldfrage. Stellen wir uns vor, wie es einem Ehemann geht, der am Abend für seine Frau noch die Winterreifen aufziehen wollte, es aber dann doch versäumte. Am nächsten Morgen fuhr die Frau bei Glatteis mit Sommerreifen los, rutschte gegen einen Baum und war sofort tot. Dieser Mann wurde seines Lebens nicht mehr froh. Niemand konnte ihm eine Antwort geben auf seine Selbstvorwürfe - bis er das Evangelium fand. Da lernte er, wie die Frage der Schuld in seinem Leben zu lösen ist.
Die Kraft, die im Evangelium liegt, besteht nämlich darin, daß der Vater im Himmel Seinen geliebten Sohn gesandt und Ihn für uns zur Schuld und Sünde gemacht hat. Er sagt quasi zu uns: "Hier ist euer Schuldabladeplatz, zu dem ihr mit eurem Lebensmüll hingehen könnt!" In den Wunden Jesu bist du geheilt und frei geworden von deiner Sünde.
Niemand wird selbst mit seiner Schuld fertig, mit Selbstvorwürfen, mit den Anklagen des Teufels und denen anderer Menschen. Denn es ist eine Tatsache, daß wir Gottes Gesetz übertreten haben. Da hilft es auch nicht, unsere Sünde verdrängen zu wollen.
Am Beispiel einer Hausfrau können wir klar erkennen, wie wir am liebsten mit unserer Sünde umgehen würden: Ihre Fensterscheiben waren äußerst schmutzig. Und durch das einfallende Sonnenlicht konnte man den Schmutz besonders gut sehen. Aber anstatt sie zu putzen, zog sie einfach die Vorhänge zu und rief: "Nun kann ich den Dreck nicht mehr sehen!"
So machen viele Menschen das heute auch. Sie verdrängen ihre Schuld, indem sie z. B. andere beschuldigen. Dabei gibt es doch eine wunderbare, herrliche Lösung! Die ist uns in Jesus Christus gegeben: "Er aber ist ob unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt" (Jesaja 53,5).
Wir dürfen also unsere Sünde zu Jesus bringen. Und dadurch, daß Er die gerechte Strafe für unsere Schuld auf sich genommen hat, sind wir frei. Er ist unser Bürge, Er hat uns ausgelöst. Wir empfangen Vergebung. Wir sind durch Christus gerechtfertigt und erlangen ein reines Gewissen. Unsere Seele ist durch das Blut Jesu Christi völlig entlastet. Und das bedeutet tiefen, inneren Frieden. Das bedeutet Lebensqualität. Das Evangelium ist eine wunderbare Kraft zum Frieden für den inneren Menschen.
Die Leute reden oft vom aufrechten Gang und vom erhobenen Haupt. Dabei können sie so gar nicht leben, weil zentnerschwere Lebenslasten auf ihrer Seele ruhen. Aber Christen können aufrecht gehen und ihr Haupt erheben, denn sie wissen: Mein Erlöser naht! Wir sind frei und entlastet, denn unsere Schuld wurde weggenommen. Und das entfaltet eine enorme Dynamik im Leben eines Menschen. "Ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist Gottes Kraft, die da rettet" (Römer 1,16).
Kraft zur inneren Sicherheit
Heute wird viel über die Notwendigkeit eines gesunden Selbstbewußtseins gesprochen. Man spricht Kindern und labilen Erwachsenen zu: "Du kannst etwas, glaube an dich, entdecke deine Potentiale." Aber ich erlebe oft, wie solche Menschen bei der nächsten Gelegenheit wieder zusammenklappen. Erst lassen sie sich von positiven Zusprüchen innerlich aufblasen, und sie fühlen sich stark, aber beim nächsten Versagen ist die Luft schneller wieder aus ihnen heraus, als sie hineingekommen ist.
Aber das Evangelium hat mehr Kraft als gute Worte, denn es verbindet dich mit Jesus. Durch den Glauben wohnt Er in deinem Herzen, und durch Ihn bist du stark. Wer Christus hat, findet seine Stärke nicht mehr in sich selbst, sondern in dem lebendigen Gott. "Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?" (Psalm 27,1).
Eine christliche Frau sagte mir bezüglich ihrer Lebensprobleme: "Ich muß noch viel mehr an meinem Selbstwertgefühl arbeiten." Als ich nachfragte, wie sie das machen wolle, erzählte sie, daß sie noch viele Bücher von Spezialisten lesen müsse. Sie müsse auch noch viele gruppentherapeutische Treffen absolvieren, mehr autogene Entspannungsübungen versuchen und vor allem noch viel stärker analytisch in ihre Seele eindringen, damit sie die Ursachen für ihr mangelndes Selbstbewußtsein herausfinden könne. Ein Riesenaufwand also.
Da erzählte ich ihr eine Geschichte aus meiner Kindheit. Jedesmal, wenn mich Kameraden angreifen wollten, rief ich ihnen zu: "Ich hole gleich meinen Vater!" Auf diese Weise hatte ich immer ein starkes Selbstbewußtsein! Meine Gesprächspartnerin klagte daraufhin: "Ich hatte aber nie einen Vater, den ich hätte holen können. Wie gern hätte ich solche Erlebnisse gemacht wie Sie!" Ich erwiderte: "Ihr Problem ist eigentlich nicht, daß Sie keinen irdischen Vater hatten, sondern daß Sie keinen himmlischen Vater haben!" Denn obwohl mein leiblicher Vater schon vor langer Zeit gestorben ist, sage ich auch heute noch, wenn ich in Not bin oder Ärger habe: "Ich hole gleich meinen (himmlischen) Vater!"
Paulus sagt: "Ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist eine Kraft Gottes, die hinter mir steht." Damit meint er: "Gott ist mein Vater! Und Er steht hinter mir und stärkt mir den Rücken." David erklärte: "Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen" (Psalm 18,30).
Christen leiden nicht unter Minderwertigkeitskomplexen, denn sie sind durch das Evangelium Kinder Gottes geworden und Erben der ewigen Herrlichkeit. Paulus schreibt: "Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi" (Römer 8,16-17).
Was ist die Schlußfolgerung daraus? Hört den Apostel, der fragt: "Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?" (Römer 8,31). Und im Philipperbrief lesen wir: "Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus" (Philipper 4,13).
Und das ist keine vage Theorie, sondern das ist es, wovon mein Leben erfüllt ist. Das sind auch meine persönlichen Erfahrungen, denn das Evangelium hat mich stark gemacht, hat mir meine Komplexe genommen und mein Selbstwertproblem gelöst. Es ist wirklich wahr: Wenn wir Jesus im Herzen haben, wissen wir, wer unser Vater ist. Dann setzen wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst, sondern der Christus in uns ist unsere Stärke. Nicht Selbstvertrauen, sondern Gottvertrauen macht uns lebensfähig!
Jeden Morgen, wenn unsere Kinder zur Schule gingen, betete meine Frau mit ihnen und prägte ihnen ein, daß Jesus ihre Hilfe bei der Klassenarbeit ist, daß sie sich im Umgang mit Lehrern und Schülern auf Gott verlassen dürfen, daß sie stark sind durch den Glauben an Ihn. Durch die Kraft des Evangeliums werden wir starke Persönlichkeiten. Wir fürchten uns vor Gott, aber vor keinem Menschen. Denn Christus, der Sohn Gottes, steht mit der ganzen Fülle Seiner Kraft hinter uns und stärkt uns.
Kraft zu gesunder Beziehungsfähigkeit
Es ist auch eine Kraft zu gesunder Beziehungsfähigkeit im Evangelium. Menschen sind oft verbittert durch negative Erfahrungen, wenn andere ein böses Spiel mit ihnen getrieben haben. Haß, Rachegefühle und Unversöhnlichkeit begleiten sie ihr Leben lang - manchmal sogar, wenn sie Christen sind. Das liegt daran, daß sie die Kraft des Evangeliums noch nicht richtig verstanden haben.
Denken wir an Josef. Den hatten seine Brüder im wahrsten Sinn des Wortes verraten und verkauft. Später wurde er sogar - obwohl unschuldig - ins Gefängnis geworfen, wo er über Jahre einsaß. Dieser junge Mann hätte eigentlich einen schweren psychischen Schaden davontragen müssen. Als er später wieder seinen Brüdern begegnete, sagte er aber zu ihnen: "Nicht ihr habt mich hierher gebracht, sondern Gott hat es getan." Das Evangelium hatte ihn verstehen lassen, daß alle Dinge - selbst die gemeinsten Menschen in unserem Leben - eine bedeutende Rolle spielen und Gott immer etwas Gutes vorhat mit dem Leben Seiner Kinder. Josef wurde am Ende sogar Kanzler von Ägypten. Durch seine Verwurzlung im Evangelium und der daraus resultierenden Überlebenskraft war er nicht zu einem verbitterten Menschen geworden, sondern er sagte seinen Brüdern: "Ich vergebe euch, denn Gott ist es, der die Wege meines Lebens bestimmt hat." Und Seine Gedanken sind höher als unsere Gedanken!
Ähnliches sehen wir bei Hiob. Seine Frau war nicht im Evangelium verwurzelt, sie hatte das Wort Gottes nicht verstanden und war bitter geworden. Darum riet sie ihrem Mann in seinem Leid: "Schau doch mal, was du alles an Schlechtem erlebst! Wie kann Gott das zulassen? Darum sag Ihm doch ab und stirb!" Aber Hiob wußte, daß der Vater immer in unserem Leben regiert, auch in Zeiten der Not. Deshalb konnte er bekennen: "Der Herr hat es gegeben, und der Herr hat es genommen; der Name des Herrn sei gelobt" (Hiob 1,21).
Den Höhepunkt dieser Wahrheit zeigt uns Jesus selbst. Als man Ihn schlug und geißelte, Ihm die Bolzen in die Hände und Füße trieb und Ihm die Dornenkrone auf Sein Haupt setzte, als Er ein Bild des Elends und des Leidens, der Schmerzen und der Schwachheit war, war Er nicht bitter und hatte Rachegefühle, sondern betete: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun" (Lukas 23,34). Jesus war stark in dem Evangelium, das Er selbst der Welt gegeben hat. Er wußte: Mein Leben wird nicht durch die Verbrecher bestimmt, die mich jetzt umbringen. Ich durchleide nicht, was böse Menschen mir antun wollen, sondern ich erlebe nur das, was in Gottes Gedanken ist für mich und was gut und nützlich für mein Leben ist.
Gott hat einen Plan auch für dein Leben. Und wenn du das Evangelium kennst, macht es dich ebenfalls stark. Und es treibt alle Bitterkeit aus deinem Herzen und alle Verhärtung, alle Unversöhnlichkeit. Denn das Evangelium ist Medizin für die Seele und eine Kraft Gottes, die da rettet alle, die daran glauben.
In Jesu Namen. Amen!
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