Donnerstag, 11. Juni 2009

Einige Worte über die Dreieinheit

Einige Worte über die Dreieinheit

Obwohl es durchaus ungereimt ist, bezüglich des göttlichen oder irgendeines geistigem Wesens von einer Mehrheit reden zu wollen, so bestreite ich es doch, daß Gott je als Einer Sich völlig geoffenbart hat, oder völlig geoffenbart werden konnte. Freilich wurde Er, im Gegensatz zu einer Vielzahl von Göttern, als Ein Gott offenbart: aber in diesem Falle war Seine Offenbarung keine vollständige Offenbarung. Wie wenig wir auch Seine Tiefen zu ergründen vermögen, so wissen wir doch, daß Seine Offenbarung erst dann vollständig war, als Er Sich als der dreieinige Gott zu erkennen gab. Geoffenbart nur als Einer, wohnt Er hinter dem Vorhang, so daß niemandem gestattet wurde, Ihm zu nahen; und durch mancherlei Sinnbilder zeigte Er, daß Er nicht erkannt wurde, daß das wahre Licht nicht schien, und daß der Weg in das Allerheiligste noch nicht geoffenbart war.

Aber die völlige Offenbarung Seiner Selbst beginnt mit dem Entritt des Sohnes, der in des Vaters Schoß ist, in diese Welt. Der Sohn ist das Bild des unsichtbaren Gottes. Wer Ihn gesehen hat, hat den Vater gesehen. Das Licht Gottes war in der Welt; aber der Mensch sah und erfaßte es nicht. Der Geoffenbarte, der Vater, wurde erkannt, oder konnte erkannt werden in Güte durch den Sohn; und nur Er, der Sohn, konnte den Vater vollständig offenbaren.

Doch dies ist nicht alles. Die Finsternis hat das Licht nicht erfaßt. Nachdem aber das Werk vollbracht war, das erforderlich war, um uns, in Übereinstimmung mit der heiligen und gerechten Natur Gottes, in jene Stellung zu versetzen, ohne die eine auf Wahrheit gegründete Erkenntnis Gottes unmöglich ist, wurde der Heilige Geist die Kraft, um uns lebendig zu machen und zu befähigen, die Offenbarung Gottes zu verstehen.

Ohne die Dreieinheit würde die Liebe, die Gerechtigkeit und Heiligkeit, die wahre Natur Gottes, nicht erkannt worden sein; denn nie war Gott offenbart worden, wie Er ist und wie Er stets war. Ohne die Dreieinheit blieb die wahre Natur Gottes verborgen. Der Sohn macht lebendig, welche Er will; aber alles was Er tut, geschieht in voller Übereinstimmung mit dem Vater. Der Heilige Geist teilt Seine Gaben aus, wem Er will; aber dies geschieht nie getrennt von dem Willen des Vaters und des Sohnes. Sie haben nicht dieselben Ratschlüsse, sondern nur einen Ratschluß, eine Meinung, eine Absicht; jedoch unterscheiden sich ihre Tätigkeiten in der Handhabung des Ratschlusses. Der Vater sendet den Sohn und der Sohn sendet den Geist. Doch als der Sohn kam, was Er nicht getrennt vom Vater. "Der Vater, der in mir wohnt tut die Werke". Er treibt die Teufel aus durch den Geist Gottes; und doch trieb Er sie aus. Es existiert volle Einheit in allem; nicht eine Einheit, die zur Erreichung eines und desselben Zieles durch Vereinigung hervorgerufen ist, auch nicht eine Einheit, wie bei uns, die wir durch einen Geist, der in uns alle wohnt, vereint sind, sondern eine von Ewigkeit her bestehende Einheit, in der nur ein Wille und ein Ratschluß tätig sind, wobei nur die Ausführung dieses Ratschlusses eine Unterscheidung zuläßt.

Wer könnte sich anmaßen, dieses Geheimnis der Einheit in der Dreifaltigkeit ergründen zu wollen! Aber die Wahrheit ist, daß der Vater geoffenbart ist, daß der Sohn offenbart, und daß der Heilige Geist lebendig macht und das Verständnis gibt. Der Sohn, der offenbart, ist nicht verschieden vom Vater, den Er offenbart; denn sonst würde Er Ihn nicht offenbaren. Durch den Geist, der lebendig macht und die Erkenntnis bewirkt, sind wir aus Gott geboren und befähigt worden zu erkennen, daß Gott in uns wohnt. Er offenbart Ihn uns durch Seine eigene Gegenwart und ist auf alle Weise die in dem Geschöpf wirkende Kraft Gottes.

Das Geschöpf vermag Gott nicht zu erreichen; denn sonst würde Gott nicht Gott sein. Unmöglich kann das, was endlich ist, das Unendliche erreichen, oder es existiert weder Endliches noch Unendliches. Der unendliche Gott könnte sich nie als solcher der endlichen Kreatur offenbaren; jede Offenbarung eines gerechten und heiligen Gottes in Herrlichkeit würde dem gefallenen Menschen unerträglich gewesen sein. Aber in dem Sohn durch den Heiligen Geist, durch das Werk Christi und die Wirkung des Heiligen Geistes ist Gott geoffenbart, und in der Liebe des Vaters sind die Gerechtigkeit und Heiligkeit aufrecht erhalten und verherrlicht worden, so daß wir befähigt sind zur Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn und zum Verständnis aller durch den Heiligen Geist mitgeteilten Wege.

Wenn nun Johannes sagt: "Also hat Gott die Welt geliebt", so finden wir überall, wo er von der Macht der Gnade redet, die den Menschen zur Erkenntnis und zum Besitz Gottes bringt, daß er stets den Vater und den Sohn erwähnt, indem er nachher in den Worten Christi die Gegenwart und die Arbeit des Sachwalters hinzufügt. Wir sehen als, daß es keine völlige Offenbarung Gottes geben kann, als nur infolge der Offenbarung des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Nur in dieser Dreieinheit offenbart sich vollkommen der einige wahre Gott. Undere Gebete gründen sich auf diese Wahrheit. Durch Christum, den Sohn, haben wir den Zutritt durch einen Geist zum Vater.

Quelle: "Botschafter des Heils in Christo"

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