Samstag, 6. Juni 2009

Iran: Todesstrafe für „Abfall vom Islam“









Strafverschärfung für Glaubenswechsel nimmt erste Hürde im Parlament.


Teheran/Washington/London (www.kath.net/idea)
Das iranische Parlament hat eine Strafrechtsreform auf den Weg gebracht, die den „Abfall vom Islam“ mit der Todesstrafe bedroht. Bei der ersten Lesung am 9. September stimmten 196 Abgeordnete für einen entsprechenden Gesetzentwurf, 7 waren dagegen und 2 enthielten sich. Der Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity Worldwide (Christliche Solidarität Weltweit/London) zufolge wurde die Meldung über die Abstimmung nach wenigen Stunden von der Internetseite des iranischen Parlaments entfernt.

Der Gesetzentwurf wurde an einen Ausschuss verwiesen und soll später erneut von den Volksvertretern beraten werden. Die neuen Strafrechtsbestimmungen würden das Leben früherer Muslime, die ihren Glauben gewechselt haben, massiv bedrohen. Bisher wird in der Islamischen Republik aufgrund des Religionsgesetzes, der Scharia, der Glaubenswechsel von Muslimen zwar als Verbrechen gewertet, die Strafe aber in das Ermessen des Richters gestellt. Als „ernormen Rückschritt“ wertet die US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit die Strafrechtsreform. Schon jetzt sei die Menschenrechtslage im Iran „bodenlos“.

US-Kirchenvertreter laden Ahmadinedschad ein

Die Kommission ruft die US-Regierung auf, Druck auf Teheran auszuüben, damit die Bestrafung für Religionswechsel gestoppt und Glaubensgefangene freigelassen würden. Irans Staats- und Regierungschef Mahmud Ahmadinedschad reist Ende September in die USA. Kirchenrepräsentanten haben ihn zu einem Meinungsaustausch und Abendessen am 25. September in New York eingeladen. Es handelt sich unter anderem um Vertreter der Mennoniten, des Weltkirchenrats, der Anglikaner und Quäker. Sie hatten bereits im vorigen Jahr in Teheran und New York einen Dialog mit Ahmadinedschad geführt.

„Probelauf“ für Einführung der Todesstrafe

Als „Probelauf“ für die Strafrechtsverschärfung sehen Christen im Iran den Prozess gegen zwei Christen an, die wegen des „Abfalls vom Islam“ angeklagt sind. Es handelt sich um die ehemaligen Muslime Mahmood Matin und Arash Basirat, die einer evangelikalen Hausgemeinde in Shiraz angehören. Der 52-jährige Matin und der 44-jährige Basirat, über den auch unter dem Namen Bandari berichtet wurde, sind von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und der Evangelischen Nachrichtenagentur idea als „Gefangene des Monats September“ benannt worden.

Sie wurden am 13. Mai verhaftet. Nach zwei Monaten Isolierhaft in einem Geheimpolizei-Gefängnis von Shiraz wurden Matin und der zuckerkranke Basirat Mitte Juli zusammen in einer Zelle untergebracht. Jetzt wurden sie offiziell des „Abfalls vom Islam“ angeklagt.

Weitere Christen verhaftet

Unterdessen gehen die iranischen Sicherheitsbehörden weiter gegen Christen vor. Im August wurden nach Informationen der IGFM drei Christen verhaftet und Anfang September der Pastorensohn Ramtin Soodmand festgenommen. Über sein Schicksal herrsche Ungewissheit. 1990 war der Vater des Inhaftierten, Hossein Soodmand, wegen Übertritts zum Christentum und angeblicher Spionage für die USA verhaftet worden. Im Dezember 1990 wurde er in seiner Zelle erhängt, so die IGFM. Kurz danach seien sechs weitere evangelische Pastoren im Iran ermordet worden. Von den 65 Millionen Einwohnern Irans sind 99 Prozent Muslime. Die Zahl der Muslime, die zum Christentum übergetreten sind, wird auf 250.000 geschätzt. Daneben gibt es 125.000 bis 150.000 meist armenische und assyrische Christen.

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Search