Glauben Christen und Muslime an denselben Gott? Welches ist wohl die wichtigste Lehraussage des Korans? Und wer von uns könnte spontan die Frage beantworten, was den Glauben der Muslime in unserem Land wohl am meisten ausmacht?
Viele Christen tun sich schwer, wenn es um den Islam geht. Obwohl heute schon über zwei Millionen Muslime in Deutschland leben (Tendenz steigend) und es inzwischen viel Literatur über den Islam gibt, bleibt das Wissen, was Muslime denn eigentlich glauben, auch unter Christen oft bruchstückhaft. Ein großer Teil der Muslime in Deutschland plant keine Rückkehr in das Herkunftsland, und Deutschland ist kein 'Durchgangsland', sondern längst Heimatland geworden. Ist es da für Christen möglich, an der Herausforderung des Islam vorbeizugehen?
Aus dem Gefühl der Fremdheit und des Nichtwissens resultiert oft Unsicherheit gegenüber Muslimen oder sogar Angst vor dem Bild, das die Medien über den Islam vermitteln, oftmals ohne Hintergrundinformationen zu liefern, ob z. B. Terrorismus ein Kennzeichen des Islam schlechthin oder nur das einer begrenzten Zahl politisch aktiver Gruppierungen ist. Daher wird das Verhältnis zu muslimischen Nachbarn oder Mitstudenten oft von Sprachlosigkeit und Hilflosigkeit gekennzeichnet.
Auch auf die häufig gestellte Frage, ob Muslime und Christen denn an denselben Gott glauben, erhält man durch Medien und 'Islamexperten' unterschiedliche Antworten. Einmal werden die Unterschiede stärker betont, einmal mehr die Gemeinsamkeiten: Islam und Christentum sind 'abrahamitische Religionen', also Religionen, die sich auf Abraham als Stammvater berufen. Außerdem erzählt auch der Koran recht ausführlich von den ersten Menschen im Paradies, von Mose und dem Durchzug durch das Meer ebenso wie von Jesus, Maria oder Johannes. Allerdings ist nicht automatisch alles gleich, was gleich klingt. Vieles im Koran hört sich im ersten Moment ganz ähnlich wie in der Bibel an, da oft dieselben Begebenheiten erzählt und dieselben Begriffe gebraucht werden. Im Koran ist z. B. häufig von der Barmherzigkeit Gottes die Rede, von Sünde und Vergebung, vom Letzten Gericht und dem Paradies. Ob damit aber auch inhaltlich dieselben Aussagen gemacht werden, ist eine ganz andere Frage. Wer jedoch nun wissen möchte, wo sich äußerlich die Aussagen von Koran und Bibel gleichen, stößt auf folgende Punkte:
Gemeinsamkeiten zwischen Koran und Bibel
1. Koran und Bibel sprechen von dem einen ewigen, unendlichen Gott, der ewig lebt und das Weltall regiert.
2. In Koran und Bibel ist er der Schöpfer des Himmels und der Erde, sowie der Schöpfer jedes einzelnen Menschen.
3. Nach christlichem und muslimischem Glauben hat Gott sein heiliges, ewiges Wort in seinem Heiligen Buch niedergelegt. (Natürlich ist dieses heilige Buch für Christen die Bibel, für Muslime der Koran.)
4. Koran und Bibel fordern vom Menschen, diesen einen allmächtigen Gott anzubeten und ihm Dank zu sagen.
5. Nach Koran und Bibel kennzeichnen Sünde und Vergebung die Beziehung des Menschen zu Gott. Nur der an Gott Gläubige kann mit der Vergebung Gottes rechnen.
6. Koran und Bibel legen durch Gottes Gebote fest, was Sünde und was gut ist.
7. Nach dem Bericht von Koran und Bibel sündigten die ersten Menschen im Paradies und wurden daher von Gott aus dem Paradies vertrieben.
8. Im Koran und der Bibel ist der Teufel der Gegenspieler der Menschen, der sie zur Sünde verführen möchte. Der Mensch ist dem Satan jedoch nicht hilflos ausgeliefert, sondern er findet Beistand bei Gott.
9. Nach Koran und Bibel wird jeder Mensch entsprechend seinem diesseitigen Leben bei der Auferstehung der Toten von Gott gerichtet.
10. Koran und Bibel bezeugen: Wer im Leben nicht nach den Geboten Gottes gelebt und nicht an ihn geglaubt hat, wird im Jüngsten Gericht zur Hölle verurteilt, während der Gläubige ins Paradies eingehen kann. Belohnte und Verdammte leben ewig und bleiben ewig in der Hölle oder im Paradies. (Natürlich wird nach dem Koran nur der muslimische Gläubige Eingang ins Paradies finden, während der Christ als Ungläubiger verdammt wird. Die Bibel bezeugt dagegen, daß nur der gläubige Christ ewiges Leben erben kann).
Der Koran weist also - vordergründig betrachtet - manche Ähnlichkeit mit Aussagen aus dem Alten und Neuen Testament auf. Das erklärt sich leicht, wenn man einen Blick auf die Entstehungsgeschichte des Islam wirft:
Woher stammen die Gemeinsamkeiten zwischen Islam und Christentum?
Als Muhammad den Islam im 7. Jahrhundert n. Chr. auf der Arabischen Halbinsel in Mekka als neuen Glauben verkündigte, geschah dies - soweit uns die spärlichen Quellen darüber überhaupt Aufschluß geben - weil er durch Visionen und Eingebungen den Eindruck erhalten hatte, ein von Gott gesandter Prophet zu sein. Er glaubte, von Gott Botschaften empfangen zu haben, damit er seine arabischen Landsleute, die einem animistischen Vielgötterglauben anhingen, zur Umkehr zu dem einen Gott rufen konnte. In seinem Umfeld kam Muhammad mit jüdischen und christlichen Gruppierungen in Kontakt und hörte - wohl allerdings bruchstückhaft und teilweise verzerrt - manches aus dem jüdisch-christlichen Glaubensgut. In der Folge übernahm er davon etliche Elemente in den Koran. (Dies ist natürlich nicht die muslimische Sichtweise: Für Muslime ist der Koran von Anfang bis Ende geoffenbartes Gotteswort.)
So begegnen uns im Koran fast 20 alt- und neutestamentliche Personen wie Adam, Abraham, Mose, Hiob, David, Johannes der Täufer und natürlich Jesus Christus. Die koranischen Berichte über das Wirken dieser biblischen Personen sind allerdings teilweise stark verändert und umgedeutet worden, denn Muhammad benutzte diese Personen gewissermaßen als 'Vorlagen' oder Schablonen, um seine eigene Sendung als Prophet zu begründen: So wie Gott schon in früheren Zeitaltern Propheten mit der Verkündigung seiner immer gleichlautenden Botschaft beauftragt hatte, so habe Gott als letzten Propheten Muhammad zu dem Volk der Araber gesandt, um sie zur Umkehr zu rufen. Aus Muhammads Sicht hatten alle Propheten der Geschichte immer wieder dieselbe Botschaft von dem einen Schöpfergott und dem drohenden Gericht verkündet. Mit der Zeit wichen die Menschen jedoch immer wieder davon ab und verfielen dem heidnischen Vielgötterglauben. Dann sandte Gott erneut einen Propheten, der sie an die Urbotschaft von dem einen Schöpfer- und Gerichtsgott erinnerte.
Man weiß heute mit fast absoluter Sicherheit, daß zu Muhammads Lebzeiten im 7. Jahrhundert n. Chr. keine Bibel in arabischer Sprache existiert hat. Daher konnte sich auf der Arabischen Halbinsel und den angrenzenden, teilweise christlichen Staaten manche christliche Sonderlehre und Häresie verbreiten. Viele apokryphe Schriften und Legenden über Jesus Christus waren im Umlauf, die den Glauben der damaligen Christen prägten. So scheint etwa Muhammads Auffassung, daß die Christen seiner Zeit an drei Götter glaubten (nämlich an Gott, Jesus und Maria) auf eine christliche Sonderlehre seiner Zeit zurückzugehen. Es ist unwahrscheinlich, daß Muhammad diesen 'Dreigötterglauben', den der Koran den Christen immer wieder anklagend vorwirft, selbst erfunden hat. Viel wahrscheinlicher ist es, daß bestimmte christliche Gruppierungen den Dreigottglauben, der Maria als Göttin miteinschloß, selbst praktizierten. Biblisch fundiertes Christentum oder etwa eine funktionierende neutestamentliche Gemeinde hat Muhammad dagegen wohl niemals kennengelernt.
Aufgrund dieser Beeinflussung des Korans durch Juden- und Christentum in der Geschichte werden die eben erwähnten zehn Gemeinsamkeiten zwischen beiden Religionen also leicht erklärbar. Genügt es jedoch, einige Gemeinsamkeiten einer Religion zum Christentum zu nennen, um die Gleichartigkeit ihrer Lehre zu beweisen? Glauben Christen und Muslime an denselben Gott, nur weil sich zwischen den Aussagen der Bibel und des Korans einige Ähnlichkeiten finden lassen? Viel wichtiger für einen echten Vergleich ist es doch, die Kernaussagen von Islam und Christentum einander gegenüberzustellen. Und bei diesen Kernaussagen gibt es zwischen Koran und Bibel gewaltige Unterschiede.
Unterschiede zwischen Koran und Bibel
Diese Unterschiede zwischen den Aussagen des Korans und der Bibel werden sofort offensichtlich, wenn es um Grundfragen geht - wie z. B. die Frage, wie ein Mensch errettet werden kann. Oberflächlich betrachtet macht der Koran zwar viele ähnlichlautende Aussagen wie die Bibel bei Themen wie Schöpfung und Jüngstes Gericht, Hölle und Paradies, der Existenz von Engeln und Teufeln oder den Propheten, die im Verlauf der Menschheitsgeschichte aufgetreten sind und warnend auf Gott hingewiesen haben. Aber wenn diese Aussagen inhaltlich etwas näher beleuchtet werden, kommen schwerwiegende inhaltliche Unterschiede zu Tage:
Diese Unterschiede zwischen den Aussagen des Korans und der Bibel werden sofort offensichtlich, wenn es um Grundfragen geht - wie z. B. die Frage, wie ein Mensch errettet werden kann. Oberflächlich betrachtet macht der Koran zwar viele ähnlichlautende Aussagen wie die Bibel bei Themen wie Schöpfung und Jüngstes Gericht, Hölle und Paradies, der Existenz von Engeln und Teufeln oder den Propheten, die im Verlauf der Menschheitsgeschichte aufgetreten sind und warnend auf Gott hingewiesen haben. Aber wenn diese Aussagen inhaltlich etwas näher beleuchtet werden, kommen schwerwiegende inhaltliche Unterschiede zu Tage:
1. Zum Sündenfall und zur Erbsünde:
a) Christlicher Glaube: Adam und Eva übertraten Gottes Gebot im Paradies und brachten damit die Sünde, den Tod und die Trennung von Gott für alle Menschen in die Welt. Der Mensch ist durch die Erbsünde getrennt von Gott (Rö 3,20). Versöhnung mit Gott ist nur durch Jesu Erlösungstod möglich (2. Kor 5,18- 19).
b) Muslimischer Glaube: Auch der Koran enthält eine Paradieserzählung: Adam sündigte im Paradies, als er die verbotene Frucht aß. Das hatte jedoch keine weiteren Folgen für die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Gott vergab Adam seine Sünde. Der Mensch wurde durch diesen 'Fehltritt' kein grundsätzlich anderer und auch nicht von Gott getrennt. Der Koran kennt keinen Sündenfall und keine Erbsünde.
2. Zu Sünde und Sündlosigkeit:
a) Christlicher Glaube: Alle Sünde richtet sich in erster Linie gegen Gott, denn sie ist Auflehnung gegen Gottes Ordnungen. Zusätzlich zieht die Sünde die Beziehungen der Menschen untereinander in Mitleidenschaft. Streit, Neid, Lüge Mißtrauen usw. kennzeichnen die Beziehungen von Menschen untereinander seit dem Sündenfall. Weil alle Menschen von den Auswirkungen des Sündenfalls betroffen sind, gibt es keinen sündlosen Menschen.
b) Muslimischer Glaube: Sünde betrifft Gott nicht. Sünde richtet sich in erster Linie immer gegen den Menschen, der sie begangen hat. Häufig formuliert der Koran: "Sie frevelten gegen sich selbst" (Sure 17,7 u.a.m.). Weil der Mensch nach Auffassung der muslimischen Dogmatik nicht grundsätzlich verdorben ist, gibt es sündlose Menschen: Dies sind die Propheten, die Allah in der Geschichte zu den Menschen gesandt hat (Allah bedeutet Arabisch "der Gott". Daher werden hier die Begriffe Gott und Allah als Synonyme gebraucht.). Die Propheten haben nach Aussage der muslimischen Theologie niemals eine einzige Sünde begangen. (Dies lehrt allerdings nicht der Koran, sondern es ist die Meinung muslimischer Theologen. Der Koran nennt dagegen etliche Beispiele für Propheten, die um Vergebung ihrer Sünden gebeten haben: Adam in Sure 7,23; Noah in Sure 11,47; Abraham in Sure 14,41; Mose in Sure 28,16; David in Sure 38,24). Interessanterweise spricht der Koran an keiner einzigen Stelle davon, daß Jesus eine Sünde begangen hätte.
3. Zum Gottesbild:
a) Christlicher Glaube: Gott schuf die Menschen als sein Ebenbild. Er hauchte dem Menschen seinen Geist ein und offenbart sein Wesen in der Schöpfung (1.Mo 1,26ff.; Rö 1,18ff.). Gott legt sich durch seine Verheißungen eindeutig fest, und was er zusagt, geschieht. Der Gottessohn Jesus wurde Mensch und damit zur Brücke zwischen Gott und Mensch (Joh 14,6).
b) Muslimischer Glaube: Gott ist zwar der Schöpfer der Welt und jedes einzelnen Menschen, aber er ist von der Schöpfung vollkommen getrennt. Der Mensch ist nicht Gottes Ebenbild, denn es gibt keine Verbindung und keinen Vergleich zwischen ihm, dem Schöpfer, und seinen Geschöpfen. Allah handelt nach seinem absoluten, unumschränkten Willen. Letztlich kann kein gläubiger Muslim absolut gewiß sein, daß er das ewige Leben im Paradies ererben wird. Er hofft darauf, je mehr er sich zu Lebzeiten an Gottes Gebote gehalten hat, aber er weiß es nicht mit letzter Gewißheit. Mit dem Vorauswissen über Gottes Handeln im Jenseits würde nach muslimischer Auffassung seine Souveränität in seinem Handeln eingeschränkt werden.
4. Zum Bild des Menschen:
a) Christlicher Glaube: Der Mensch ist seit dem Sündenfall böse und kann von sich aus nichts Gutes vor Gott tun. Alle guten Werke helfen ihm nicht, um vor Gott seine Schuld wieder gut zu machen. Es ist unmöglich, durch Werke allein Gott zu gefallen. Die einzelnen Sünden eines Menschen sind Ausdruck seiner Auflehnung gegen Gott und kommen aus seinem innersten Herzen hervor (Mk 7,21). Alle Sünde ist daher immer direkt gegen Gott gerichtet (Römer 3,10-12).
b) Muslimischer Glaube: Weil der Mensch keinen Sündenfall erlebt hat, ist er grundsätzlich in der Lage, das Gute zu tun und das Böse zu meiden. Das Böse tritt nur von außen an ihn heran, denn der Satan flüstert es ihm ein. Der Mensch sündigt, wenn er den Einflüsterungen des Satans Gehör schenkt, anstatt bei Gott seine Zuflucht zu suchen. Das Böse kommt jedoch nicht aus dem Innern des Menschen hervor.
5. Zu den Guten Werken:
a) Christlicher Glaube: Der Mensch kann Gott nicht durch gute Werke versöhnen, denn er braucht die grundsätzliche Vergebung durch Jesus Christus. Erst dann kann er durch Gottes Kraft das Richtige tun. Der Versuch des unerlösten Menschen, das Gesetz zu erfüllen, bringt ihn nur noch tiefer in die Sünde hinein. Wegen seiner gefallenen Natur kann der Mensch von sich aus nichts wirklich Gutes tun, was vor Gott angenehm wäre.
b) Muslimischer Glaube: Der Mensch kann gute Werke tun und durch das Einhalten der Gebote Gott gefallen. Er ist als ungefallene Natur in der Lage, die sogenannten fünf Säulen des Islam einzuhalten, die für jeden Muslim verpflichtend sind. (Das sind: 1. Das Bekenntnis, daß es nur einen Gott gibt und Muhammad sein Prophet ist, 2. Das fünfmalige tägliche rituelle Gebet, 3. Das 30tägige Fasten im Monat Ramadan, 4. Das Almosengeben für Arme und Bedürftige, und 5. Die Pilgerfahrt nach Mekka einmal im Leben.) Darüberhinaus gibt es verdienstvolle Werke, die den gläubigen Muslim angenehm vor Gott machen.
6. Zur Person Jesu:
a) Christlicher Glaube: Jesus kam als der im Alten Testament verheißene Erlöser und Erretter in die Welt. Er ist Mensch und Sohn Gottes zugleich (Lk 1,35), der stellvertretend Sündenvergebung am Kreuz erwirkte. Er erstand am dritten Tag vom Tod, und er kündigte das Kommen des Heiligen Geistes Gottes als Tröster seiner Gemeinde an (Joh 14,6). Muhammad muß aus christlicher Sicht ein falscher Prophet sein, dessen Lehren im Gegensatz zu den Kernaussagen des Alten und Neuen Testamentes stehen (Apg 10,43).
b) Muslimischer Glaube: Jesus war nur Mensch und Prophet, wenn auch einer der wichtigsten Propheten der Geschichte. Der Koran spricht zwar mit Hochachtung von Jesus, aber er ist nicht der Erlöser und Erretter der Welt. Jesus hat nach muslimischer Auffassung als Prophet das Kommen Muhammads angekündigt. Muhammad ist größer als Jesus; er ist der größte und letzte Prophet der Geschichte, das 'Siegel' der Propheten. Wer nicht an ihn glaubt, geht verloren.
7. Zum Tod und der Kreuzigung Jesu:
a) Christlicher Glaube: Jesus starb nach dem Willen seines Vaters am Kreuz, er wurde tot ins Grab gelegt und stand am dritten Tag von den Toten auf. Durch die Kreuzigung besiegte er die Sünde und den Tod und erwirkte stellvertretende Erlösung (1. Petr 1,18- 19).
b) Muslimischer Glaube: Über Jesu Tod macht der Koran nur sehr unklare Andeutungen. Gott bewahrte auf jeden Fall Jesus vor der Kreuzigung, indem er ihn vor seinen Feinden entrückte, während ein anderer an seiner Stelle gekreuzigt wurde. Jesus selbst wurde nicht gekreuzigt und ist auch nicht auferstanden. Eine Kreuzigung hätte nach muslimischer Auffassung eine schmachvolle Niederlage und ein Scheitern der gesamten Mission Jesu bedeutet. Einem Propheten steht nach muslimischer Auffassung ein ehrenvoller Tod zu, aber keine Verurteilung als Verbrecher. Zudem ist es aus muslimischer Sicht grundsätzlich unmöglich, stellvertretend für andere Personen Erlösung zu erwirken. Daher ist der Gedanke der Kreuzigung Jesu und Erlösung aus muslimischer Sicht verwerflich und falsch.
8. Zur Dreieinigkeit und Gottessohnschaft:
a) Christlicher Glaube: Vater, Sohn und Heiliger Geist sind ein einziger dreieiniger Gott (Joh 1,1-2). Maria war ein Mensch und hat keinen Anteil an der Dreieinigkeit (Mth 28,19).
b) Muslimischer Glaube: Der Koran wirft den Christen vor, drei Götter, nämlich Gott, Jesus und Maria anzubeten. So war gegenüber Muhammad vermutlich von Christen seiner Zeit die Dreieinigkeit dargestellt worden. Jesus ist im Islam nicht der Sohn Gottes, denn der Koran betont immer wieder, daß Gott keine Kinder hat, ja, daß dieser Gedanke eine Gotteslästerung sei. Der wichtigste Lehrsatz der koranischen Theologie lautet: Es gibt nur einen einzigen Gott, und nichts ist mit ihm vergleichbar oder ihm ähnlich. Mehrere Götter zu verehren (wie die Christen dies aus muslimischer Sicht tun) ist nach dem Koran die schlimmste aller Sünden, die nicht vergeben werden kann. Die christliche Vorstellung von der Dreieinigkeit wird vom Koran als heidnischer Glaube an drei verschiedene Götter aufgefaßt und scharf verurteilt. Daher darf Jesus aus muslimischer Sicht nicht als Gott verehrt werden.
9. Zur Frage der Fürsprache:
a) Christlicher Glaube: Jesus ist der Mittler, der für seine Gemeinde bei Gott Fürsprache einlegt. Er vertritt Gottes Kinder jetzt und im Jüngsten Gericht vor dem Vater.
b) Muslimischer Glaube: Der Koran macht keine klaren Angaben darüber, ob am Tag des Jüngsten Gerichts für gläubige Muslime Fürsprache eingelegt werden kann. Die islamische Überlieferung hat aus den unklaren Andeutungen des Korans geschlossen, daß Muhammad und einige herausragende Persönlichkeiten der islamischen Geschichte (möglicherweise auch die Engel vor Gottes Thron) für muslimische Gläubige Fürsprache einlegen können.
10. Welches ist die wahre Offenbarung?
a) Christlicher Glaube: Die Bibel ist Gottes zuverlässiges Wort, mit dem er sich an uns Menschen wendet. Der Geist Gottes wachte über die Niederschrift der Bibel und ihre Bewahrung in der Geschichte. Die Bibel wird durch nichts korrigiert und bleibt in Ewigkeit Gottes Wort (Off 22,18). Die Bibel wurde ihren Schreibern von Gott "eingehaucht" (2. Tim 3,16), die Persönlichkeit der Schreiber wurde dabei jedoch nicht ausgeschaltet (2. Petr 3,15-16).
b) Muslimischer Glaube: Der Koran ist das reine unverfälschte Wort Gottes; eine Abschrift des himmlischen Buches. Das Alte und Neue Testament sind dagegen aus muslimischer Sicht mit der Zeit verfälscht worden und daher nicht mehr verläßlich. Der Koran korrigiert also das Alte und Neue Testament. Er ist Muhammad durch Vermittlung des Engels Gabriel direkt von Gott eingegeben worden. Er selbst war als Persönlichkeit daran nicht beteiligt. Dadurch wird aus muslimischer Sicht die Unverfälschtheit des Korans garantiert.
Aus diesen Punkten wird deutlich, daß sich der islamische und der christliche Glaube gegenseitig ausschließen: Während nach den Aussagen der Bibel nur diejenigen das ewige Leben erben werden, die an Jesus Christus als Sohn Gottes glauben und sein stellvertretendes Opfer am Kreuz für sich persönlich in Anspruch nehmen, können nach dem Koran natürlich nur diejenigen gerettet werden, die an Muhammad als Propheten Gottes und die Wahrheit des Korans glauben. Nach Auffassung des Korans sind dagegen die Christen Ungläubige und letztlich Götzendiener, weil sie mit Jesus und Maria neben Gott zwei weitere Götter stellen und damit die schwerwiegende Sünde der Vielgötterei begehen. Aufgrund dieser großen Lehrunterschiede zwischen Islam und Christentum wird offensichtlich, daß der einzige, allmächtige Gott des Korans nicht der dreieinige Gott der Bibel, der Vater Jesu Christi, ist. Folgende Tabelle macht die oben genannten Unterschiede zwischen islamischem und christlichem Glauben noch einmal in Kurzform deutlich:
| 1. Gott ist zwar der Schöpfer der Welt und des einzelnen Menschen, aber er ist transzendent, d. h., von der Schöpfung getrennt. Es gibt keine Brücke zwischen ihm und der Schöpfung. | 1. Gott schuf die Menschen als sein Ebenbild und Gegenüber. Er offenbart sein Wesen in der Schöpfung. Er legt sich durch seine Verheißungen fest. Jesus ist die Brücke zwischen Gott und Mensch (Johannes 14,6). |
| 2. Adam sündigte im Paradies, indem er die verbotene Frucht aß, aber dies hatte keine weiteren Folgen für die Beziehung zwischen Gott und Mensch in der Zukunft: Im Islam gibt es keinen Sündenfall und keine Erbsünde. | 2. Adam übertrat Gottes Gebot im Paradies und brachte damit die Sünde, den Tod und die Trennung von Gott für alle Menschen in die Welt. Versöhnung mit Gott ist nur durch Jesu Tod möglich (2. Korinther 5,18-19. |
| 3. Der Mensch ist bei seinem Handeln in der Lage, sich zwischen Gutem und Bösem zu entscheiden. Er soll sich als Muslim für das Gute entscheiden und das Böse meiden. Wenn er dennoch sündigt, betrifft er damit Gott nicht. Er sündigt in erster Linie gegen sich selbst. | 3. Der Mensch ist böse und kann von sich aus nichts Gutes vor Gott tun, und nichts, um vor Gott seine Schuld wieder gut zu machen. Seine einzelnen Sünden richten sich immer direkt gegen Gott (Römer 3,10-12). |
| 4. Der Mensch kann durch gute Werke und das Einhalten der Gebote Gott gefallen. Der Mensch ist nicht grundsätzlich von Gott getrennt. | 4. Der Mensch kann Gott nicht durch Werke erreichen. Der Versuch, das Gesetz zu erfüllen, bringt ihn nur noch tiefer in die Sünde. Der Mensch ist durch die Erbsünde getrennt von Gott (Römer 3,20). |
| 5. Jesus wurde von Gott durch sein Wort ("Sei!") erschaffen und durch Gottes Macht in Maria versetzt. Er ist jedoch nur ein Mensch. | 5. Jesus wurde vom Heiligen Geist in Maria gezeugt und ist wahrer Mensch und wahrer Gott (Gottes Sohn) zugleich (Lukas 1,35). |
| 6. Gott hat keine Kinder. Jesus darf nicht als Gott verehrt werden. Der Glaube an die Dreieinigkeit ist heidnisch und Vielgötterei. Mehrere Götter zu verehren ist die schlimmste, unvergebbare Sünde im Islam. | 6. Jesus ist Gottes Sohn und Gott selbst. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind ein einziger dreieiniger Gott (Johannes 1,1-2). |
| 7. Der Koran wirft den Christen vor, drei Götter, nämlich Gott, Jesus und Maria anzubeten. So war Muhammad vermutlich von Christen seiner Zeit die Dreieinigkeit beschrieben worden. | 7. Die Dreieinigkeit besteht aus Vater, Sohn und Heiligem Geist. Maria war ein Mensch und hat keinen Anteil an der Dreieinigkeit (Matthäus 28,19). |
| 8. Jesus war einer der wichtigsten Propheten der Geschichte. Muhammad ist jedoch größer als er. Das Kommen Muhammads wird im Alten Testament durch Mose und Jesaja und im Neuen Testament durch Jesus angekündigt. | 8. Jesus kam als der im Alten Testament verheißene Erlöser und Retter in die Welt. Er ist als Sohn Gottes der höchste Prophet und kündigte das Kommen des Geistes Gottes als Tröster an (Johannes 14,16). |
| 9. Jesus ist nicht gekreuzigt worden und nicht auferstanden. Eine Kreuzigung wäre eine schmachvolle Niederlage für Jesus gewesen. Es ist grundsätzlich unmöglich, stellvertretend Erlösung zu erwirken. Über Jesu Tod macht der Koran keine klaren Angaben. Wahrscheinlich entrückte Gott ihn vor seinen Feinden, und ein anderer wurde an seiner Stelle gekreuzigt. | 9. Jesus starb nach dem Willen seines Vaters am Kreuz, er wurde ins Grab gelegt und stand am dritten Tag von den Toten auf. Durch die Kreuzigung errang er den Sieg über Sünde und Tod und erwirkte stellvertretend die Erlösung der Menschen (1. Petrus 1,18-19). |
| 10. Muhammad ist der letzte und wichtigste Prophet (das 'Siegel' der Propheten). | 10. Muhammad ist ein falscher Prophet, dessen Lehren im Gegensatz zu den Kernaussagen des Alten und Neuen Testamentes stehen (Apostelgeschichte 10,43). |
| 11. Der Koran ist das reine unverfälschte Wort Gottes; eine Abschrift des himmlischen Buches. Das Alte und Neue Testament ist mit der Zeit verfälscht worden und daher nicht verläßlich. Der Koran korrigiert das Alte und Neue Testament.' | 11. Die Bibel ist Gottes zuverlässiges Wort an uns. Der Geist überwachte ihre Niederschrift. Die Bibel wird durch nichts korrigiert und bleibt in Ewigkeit Gottes Wort (Offenbarung 22,18). |
| 12. Der Koran ist Muhammad durch Vermittlung des Engels Gabriel direkt von Gott eingegeben worden ohne Beteiligung der Persönlichkeit Muhammads. Damit ist seine Unverfälschtheit garantiert. | 12. Die Bibel ist von Gott "eingehaucht", die Persönlichkeit der Schreiber jedoch nicht ausgeschaltet; sie spiegelt sich deutlich in den verschiedenen biblischen Büchern wider (2. Timotheus 3,16). |
| 13. Glaube bedeutet, Gott anzuerkennen, ihm Dankbarkeit zu erweisen und seine Gebote zu halten. | 13. Glaube bedeutet, seine Schuld und Verlorenheit einzusehen, Jesu Erlösung für sich anzunehmen und aus der Kraft des Heiligen Geistes zu leben. |
| 14. Im Jüngsten Gericht kann vielleicht Muhammad noch für seine Gemeinde Fürsprache einlegen. | 14. Jesus ist der Mittler, der für seine Gemeinde bei Gott um Fürsprache bittet. |
| 15. Sünde betrifft Gott nicht, sondern richtet sich immer in erster Linie gegen den Menschen, der sie begangen hat. | 15. Sünde richtet sich zuerst gegen Gott; der Mensch leidet zusätzlich unter ihr. |
| 16. Es gibt sündlose Menschen, nämlich die Propheten, die Allah zu den Menschen gesandt hat. | 16. Es gibt keine sündlosen Menschen (Die einzige Ausnahme ist Jesus). |
Meist ist es erheblich leichter, mit Muslimen über Glaubensdinge ins Gespräch zu kommen als mit "entkirchlichten" Zeitgenossen, denn die meisten Muslime betrachten den eigenen Glauben nicht als unantastbare Privatangelegenheit. Gerade weil Islam und Christentum an vielen Punkten ähnlichlautende Aussagen machen, ergeben sich hier viele Möglichkeiten zum Gespräch. Zu hören, daß ein Christ an Gott, den Schöpfer glaubt, daß er Ehe und Familie für gottgegebene, unverletzliche Ordnungen hält und seine Kinder im Glauben erziehen möchte, wird bei gläubigen Muslimen fast immer auf erfreute Zustimmung stoßen und gemeinsame Grundlagen für ein Gespräch schaffen.
Trotzdem treten die Unterschiede im Glauben beider Parteien dann manchmal rasch zu Tage. Da ist es hilfreich, einige grundlegende Unterschiede zwischen Islam und christlichem Glauben parat zu haben, um zu verstehen, was Muslime mit Begriffen wie 'Sünde' oder 'Vielgötterei' meinen. Es ist eigentlich immer unpassend, unaufgefordert von sich aus über den Islam Aussagen zu machen ("Der Islam sagt doch ..."). Dabei könnte ein Muslim - je nachdem, welcher der vielen verschiedenen islamischen Richtungen er angehört, von welchem Familienhintergrund er stammt und wie ernst er den Glauben persönlich nimmt - sich mißverstanden und verletzt fühlen, ja in die falsche "Schublade" gesteckt. Auch wir würden dasselbe empfinden, wenn wir mit anderen kirchlichen Richtungen oder einer Sekte in einen Topf geworfen würden. Auf jeden Fall vermeiden sollte man Urteile über Muhammad, seine Politik und seinen Charakter, über den Koran oder die Politik des Landes, aus dem unser Gesprächspartner stammt, auch dann, wenn man zu einer Äußerung aufgefordert wird.
Auch wenn man bestimmte Themen und theologische Streitgespräche über den Islam vermeidet - die ohnehin meist zu keinem Ergebnis führen - gibt es viele Möglichkeiten, muslimischen Freunden Zeugnis von Jesus Christus zu geben. Am besten gehört wird so ein Zeugnis im Rahmen einer persönlichen Beziehung, in der Gastfreundschaft und Zeit zum Zuhören oder praktische Hilfeleistungen einen hohen Stellenwert haben sollten. Oft ergeben sich dabei fast von selbst Anknüpfungspunkte, um Zeugnis vom eigenen Glauben an Jesus Christus zu geben.
Muslimen zu erzählen, wie Jesus Christus nicht nur Schuld vergibt, sondern auch falsches Verhalten und Charakterschwächen sichtbar verändert hat oder wie er Frieden in einer aussichtslos angespannten Familiensituation geschenkt hat, ist ein glaubwürdiges Zeugnis, das wohl fast immer mit Interesse gehört werden wird. Die Gewißheit, das ewige Leben zu erben, die kindlich-vertrauensvolle Beziehung zu Gott, dem Vater, der selbst in seinem Wesen Liebe ist und deshalb Liebe zum Nächsten und sogar zum Feind schenkt, das sind Themen, die sich sehr gut zum zeugnishaften Gespräch eignen. Das gelebte Christsein, nicht zuletzt in einer christlichen Ehe und Familie, hat einen ungleich stärkeren Aussage- und Überzeugungswert als manche theologische Debatte, in der man versucht, 'Recht' zu behalten oder die stärkeren Argumente aufzufahren. So berichten oft Muslime, die später Christen wurden, daß sie als erstes von der Atmosphäre der Liebe, des Vertrauens und der Vergebung in einer christlichen Familie oder Gemeinde angezogen wurden, bevor sie den Islam ernsthaft in Zweifel zogen.
Hat sich aber erst einmal eine persönliche vertrauensvolle Beziehung entwickelt, kann irgendwann der Zeitpunkt für ein gemeinsames Bibelstudium kommen. Dazu eignet sich der Schöpfungsbericht oder auch ein Evangelium mit der Lebensgeschichte Jesu, möglicherweise - um die ganze Familie anzusprechen - auch der Jesusfilm in der jeweiligen Muttersprache. Nun kann anhand der Texte vieles erläutert werden, das sonst leicht zum Streitgespräch führen könnte.
Zu einer missionarischen Freundschaft gehört jedoch nicht nur das Reden, sondern unbedingt auch das Hören. Selbst großes Wissen über den Islam kann niemals echte Fragen danach ersetzen, was denn der einzelne persönlich glaubt. Es gibt ebensowenig den Islam, wie es das Christentum gibt. Mein Gesprächspartner kann ein Mitglied eines islamischen Mystikerordens sein wie ein theologisch geschulter Lehrer oder ein innerlich zutiefst vom Islam enttäuschter, nur noch formal praktizierender Muslim. Er könnte aus Nordafrika stammen, vom Balkan, aus der Türkei oder auch aus Ägypten. Seine Heimat wird ebenso wie das gesellschaftliche Umfeld seiner Familie seinen persönlichen Glauben geprägt haben. Bei solchen Gesprächen hat schon mancher Christ festgestellt, daß manche seiner bisherigen Ansichten wie z. B.: "Muslime beten nur fünfmal am Tag formelhaft ihre rituellen Gebete, und Gott bleibt ihnen dabei fern", sich so pauschal nicht als zutreffend herausgestellt haben. Nicht zu meinen, daß man schon alles über den Islam und den islamischen Glauben weiß, ist eine wichtige Voraussetzungen für ein ernsthaftes Gespräch.
Und immer wieder rührt Gott die Herzen von Menschen an. Er schafft Situationen, in denen Christen frei und überzeugend von der wichtigsten Person in ihrem Leben erzählen können, von Jesus Christus selbst. Gott selbst kann das Wunder tun, daß ein Muslim sein Herz öffnet und ein neues Leben mit Jesus Christus beginnt.
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