Donnerstag, 9. April 2009

Damals wie heute...

Wir leben in einer Welt, die wir nicht geschaffen haben. Wir leben in einer Welt, die wir nicht verstehen. Wir sind verloren in der kurzen Zeit unseres Lebens. Wir sind verloren zwischen Raum und Zeit. Wir sind ein Windhauch. Wir sind Nichts: (Aus dem Prediger oder Kohelet 1,2-12,8 (aus "Hoffnung für Alle")) Alles ist vergänglich und vergeblich, sagte der Prediger, nichts hat Bestand, ja, alles ist völlig sinnlos! Der Mensch plagt sich ab sein Leben lang, doch was bringt es ihm ein? Hat er irgendeinen Gewinn davon? Generationen kommen und gehen, nur die Erde bleibt für alle Zeiten bestehen! Die Sonne geht auf und wieder unter, dann eilt sie dorthin, wo sie aufs neue aufgeht. Der Wind weht bald von Norden, bald von Süden, ruhelos dreht er sich, schlägt ständig um und kommt dann am Ende wieder aus der alten Richtung. Unaufhörlich fließen die Flüsse, sie alle münden ins Meer, und doch wird das Meer niemals voll. Nichts kann der Mensch vollkommen in Worte fassen, so sehr er sich auch darum bemüht! Das Auge sieht sich niemals satt, und auch das Ohr hat nie genug gehört. Was früher geschehen ist, wird wieder geschehen; was man früher getan hat, wird man wieder tun: Es gibt nichts Neues unter der Sonne! Zwar sagt man ab und zu: «So etwas ist noch nie dagewesen!», aber auch dies hat es schon einmal gegeben, in längst vergangenen Zeiten! Niemand denkt mehr an das, was früher geschehen ist, und auch an die Taten unserer Nachkommen werden sich deren Kinder einmal nicht mehr erinnern. Ich, der Prediger, war König von Israel und regierte in Jerusalem. Ich gab mir viel Mühe, alles auf der Welt mit meiner Weisheit zu erforschen und zu begreifen. Doch was für eine große Last ist das! Gott hat sie den Menschen auferlegt, sie sollen sich damit abmühen! Ich beobachtete, was auf der Welt geschieht, und erkannte: Alles ist vergebliche Mühe - gerade so, als wollte man den Wind einfangen. Was krumm gewachsen ist, kann man nicht geradebiegen, und was nicht da ist, kann man nicht zählen. Ich überlegte und sagte mir: «Ich habe große Weisheit erlangt und viel Wissen erworben, mehr als jeder andere, der vor mir in Jerusalem regierte.» Doch dann dachte ich darüber nach, was die Weisheit ausmacht und worin sie sich von Unvernunft und Verblendung unterscheidet, und ich erkannte: Wer sich um Weisheit bemüht, kann genausogut versuchen, den Wind einzufangen! Je größer die Weisheit, desto größer der Kummer; und wer sein Wissen vermehrt, der vermehrt auch seinen Schmerz. Also sagte ich mir: «Versuch fröhlich zu sein und das Leben zu genießen!» Doch ich merkte, daß auch dies sinnlos ist. Mein Lachen erschien mir töricht, und das Vergnügen - was hilft es schon? Da nahm ich mir vor, mich mit Wein zu berauschen und so zu leben wie die Unverständigen - doch bei allem sollte die Weisheit mich führen. Ich wollte herausfinden, was für die Menschen gut ist und ob sie in der kurzen Zeit ihres Lebens irgendwo Glück finden können. Ich schuf große Dinge: Ich baute mir Häuser und pflanzte Weinberge.(...) Meine Schatzkammern füllte ich mit Silber und Gold, mit Schätzen aus anderen Königreichen. Ich ließ Sänger und Sängerinnen an meinen Hof kommen und hatte alle Frauen, die ein Mann sich nur wünschen kann. So wurde ich berühmter und reicher als jeder, der vor mir in Jerusalem regiert hatte, und meine Weisheit verlor ich dabei nicht. Ich gönnte mir alles, was meine Augen begehrten, und erfüllte mir jeden Herzenswunsch. Meine Mühe hatte sich gelohnt: Ich war glücklich und zufrieden. Doch dann dachte ich nach über das, was ich erreicht hatte, und wie hart ich dafür arbeiten mußte, und ich erkannte: Alles war letztendlich sinnlos - als hätte ich versucht, den Wind einzufangen! Es gibt auf dieser Welt keinen bleibenden Gewinn. Ich überlegte: Worin unterscheidet sich der Weise vom Unverständigen und Verblendeten? Was wird der Mann tun, der einmal als mein Nachfolger auf dem Königsthron sitzen wird? Was schon jeder vor ihm getan hat? Ja, ich weiß, daß man sagt: «Weisheit ist besser als Unvernunft, so wie Licht besser ist als Finsternis. Der Weise läuft mit offenen Augen durch die Welt, doch der Unvernünftige tappt im Dunkeln.» Und trotzdem wartet auf beide das gleiche Los! Als ich das erkannte, fragte ich mich: Wenn mich das gleiche Schicksal trifft wie den Unverständigen - wozu habe ich dann überhaupt nach Weisheit gesucht? Da begriff ich, daß auch das Streben nach Weisheit sinnlos ist. Denn später erinnert sich niemand mehr an den Weisen, genausowenig wie an den Unwissenden. Wie bald sind beide vergessen - der Tod macht keinen Unterschied! Da begann ich das Leben zu verabscheuen, alles auf der Welt war mir zuwider. Denn es ist so sinnlos, als wollte man den Wind einfangen. Auch mein Besitz, für den ich mich mein Leben lang abgemüht hatte, war mir verleidet, denn ich begriff, daß ich einmal alles meinem Nachfolger hinterlassen muß. Und wer weiß schon, ob der weise oder töricht sein wird? Doch er wird alles besitzen, was ich durch meine Arbeit und mein Wissen erworben habe. Wie sinnlos! Als ich das erkannte, begann ich zu verzweifeln, weil ich mich mein Leben lang so geplagt hatte. Da hat man mit seinem Wissen, seinen Fähigkeiten und seinem Fleiß etwas erreicht und muß es dann an einen anderen abtreten, der sich nie darum gekümmert hat! Das ist so sinnlos und ungerecht! Denn was bleibt dem Menschen von seiner Mühe und von all seinen Plänen?(...) Dann wieder sah ich, wie viele Menschen auf dieser Welt ausgebeutet werden. Die Unterdrückten weinen, und niemand setzt sich für sie ein. Keiner hilft ihnen, denn ihre Unterdrücker sind zu mächtig und schrecken auch vor Gewalt nicht zurück. Wie glücklich sind doch die Toten, sie haben es viel besser als die Lebenden! Noch besser aber geht es denen, die gar nicht erst geboren wurden! Sie haben das schreiende Unrecht auf dieser Welt nie sehen müssen.(...) Welcher Mensch weiß schon, was für ihn gut ist in seinem kurzen und sinnlosen Leben, das schnell wie ein Schatten vorbeieilt? Wer kann ihm sagen, was nach seinem Tod auf dieser Welt geschehen wird?(...) Ja, alles ist vergänglich und vergeblich, sagte der Prediger, alles ist völlig sinnlos!
Der Prediger beschreibt seine sinnlose Suche nach Sinn. Wenn es keinen Sinn gibt, kann man ihn nicht nur nicht finden, selbst die Suche danach ist sinnlos: "... alles ist völlig sinnlos". "Es gibt nichts Neues unter der Sonne!". Können wir uns also die Suche sparen? Oder machen wir letztlich alles so, wie es schon unsere Eltern und Großeltern getan haben? Dieser Text ist über zweitausend Jahre alt. Wie würde er heute lauten? Was ist mit der "guten alten Zeit"? Haben davon nicht die Menschen vor über zweitausend Jahren auch gesprochen? "Es gibt nichts neues unter der Sonne!". Was ist mit diesem Text? Du kannst ihn Dir sparen! Alles steht längst viel besser und ausführlicher in der Bibel (s. z.B. links). Warum schreiben wir dann diesen Text? Warum diese Homepage? Willst Du Dir die ganze Mühe noch einmal machen? Willst auch Du Dich diesem sinnlosen Unterfangen hingeben. Es gibt einen Sinn(!), aber "unter der Sonne" wirst Du ihn genausowenig finden, wie alle anderen vor Dir. Ist etwa der Mensch schlauer geworden? Hat er sich weiter entwickelt? Er lebt scheinbar in einer anderen Welt als die, von der die Älteren erzählen, doch wir sind nicht anders als die, von denen wir abstammen. Ich habe gesucht und geforscht, aber einen Sinn fand ich nicht. Ich fand nicht einmal etwas, für das es sich zu sterben gelohnt hätte. Was sollte es dann geben, wegen dem ich leben sollte? Alles schließt sich in sich selbst und führt letztlich in den Wahnsinn, in dem wir leben. "Ich würde in meinem Leben niemals glücklich sein, dachte ich, selbst wenn ich eines Tages Milliarden besäße. Ich dachte, gib's schon zu, daß höchste Glücksgefühl ist doch, wenn Du mit einem Mädchen schläfst und dabei den berühmten Orgasmus kriegst. Und wenn man alle Orgasmen in einem Leben zusammenzählt, ergibt das noch nicht einmal ein volle Stunde. Man stelle sich das einmal vor: 40 Minuten Glück und der Rest ist ein Haufen klumpiger Scheiße! Der Aufwand für diese 40 Minuten schien mir wahrlich etwas zu groß zu sein,(...)"(aus "Tränen sind immer das Ende" von Akif Pirincci, Seite 21).Sehen wir uns doch uns und diese Welt einmal an:
In unseren Seelen klafft ein riesiges schwarzes Loch, ein tiefer gähnender Abgrund, in den man scheinbar werfen kann was man will, es wird nie voll. Wir haben fast alles und sind doch unzufrieden. Wir wollen immer mehr und richten damit uns und unsere Welt zugrunde. Aber unsere Sehnsucht bleibt unerfüllt. Was fehlt uns? Wollen wir nur ein schönes Gefühl haben? Dann würden wir alle Junkies werden und uns für den Rest unseres dann nur noch kurzen "Lebens" in den siebten Himmel spritzen. Klar, wenn es uns gut geht, müssen wir nicht nachdenken (obwohl es dann doch leichter sein müßte). Meist sind es Krisen, die uns zum Nachdenken bringen. Und wenn wir dann vor dem Spiegel stehen und uns und die Welt nüchtern zu betrachten versuchen stellen wir fest, daß wir den Anblick nicht ertragen. Warum flüchten wir vor der Ruhe, der Einsamkeit? Warum macht uns die Stille Angst? Warum werden wir sofort unruhig, wenn es keine Ablenkung mehr gibt? Was ist Deine Droge, mit der Du Dich zuschüttest? Es gibt Workaholics, Shoppaholiks, Spielsüchtige, Alkis, Junkies,...-oder surfst Du den ganzen Tag? Wir erleben Freude im allgemeinen nur noch im Rausch. Aber was ist das für eine Freude, die die Augen vor den Problemen verschließen muß? Die Hippies wollten mehr Liebe und bekamen statt dessen Sex als Ramschware. Die Menschen der 80'er propagierten das wissenschaftliche Weltbild, aber da die Menschen mit deren Aussagen nicht klar kamen, erlebten in der 90'ern Astrologie, New Age, etc. eine Renaissance. Menschen auf der Suche nach Spiritualität schlucken jeden Mist - Hauptsache es wirkt. Man will etwas erleben und da die Zeit knapp ist, wird die Freizeit zum Streß. Überall winken die Angebote, aber der inneren Leere kann man damit nur ausweichen. Spätestens, wenn der graue Alltag wieder beginnt, kommt die Sehnsucht zurück, der Traum auszusteigen, alles anders zu machen - aber wie? Wenn man doch noch einmal von vorne anfangen könnte. Aber wir leben nur auf diesem kleinen Punkt, der sich Gegenwart nennt (wenn wir überhaupt in der Gegenwart leben). Die Zeit rennt uns davon. Und wenn man sich umsieht gewinnt man den Eindruck, mit 40 ist das Leben gelaufen. "Wir kriegen das alles schon in den Griff." In der Werbung wird uns ewige Jugend und Glückseligkeit versprochen. Jede Sekte wirbt mit einem erfüllten Leben (wenn man ihr beitritt), Horoskope und Wahrsager versprechen uns Kenntnis über die Zukunft und jeder Hinz und Kunz verkauft uns eine neue Theorie von dieser Welt. Die menschlichen Sehnsüchte sind ein Riesengeschäft (wer das kauft wird selig) und wer sich seine Sehnsüchte erfüllen will, der braucht Geld. Viel Geld. Es kann eigentlich gar nicht genug sein. Also muß alles getan werden, um den persönlichen "Reichtum" zu mehren. Die Gesellschaft wird zur Leistungsgesellschaft, in der der Schwache (Arme) den Rest an die Starken (Reichen) abgeben "darf". Alles wird zugunsten des Geldes optimiert, nicht mehr zugunsten des Menschen. Es fehlt nur noch das "sozialverträgliche Frühableben". Die Welt wird als Materiallager geplündert. Der im Boden gebundene Kohlenstoff (Öl und Kohle) wird verbrannt und in die Luft gepumpt. Aber auch die tropischen Regenwälder lassen sich nicht vor uns schützen. Man redet nicht mehr so viel darüber, aber die Rodung und Abholzung geht natürlich munter weiter (solange noch etwas da ist). Den Müll produzieren wir nicht nur bei der Loveparade in Berlin. Von der Colabüchse bis zu Kernbrennstäben, wir wissen längst nicht mehr wohin mit all dem Dreck. Boden, Luft und Wasser sind schon zu großen Teilen verseucht und immer neue Hiobsbotschaften warnen uns vor unserer täglichen Nahrung. In Ballungszentren sollte man besser das Atmen einstellen und in Australien nur noch im Raumanzug in die Sonne gehen. An Tschernobyl denkt heute niemand mehr, aber das Gebiet ist noch immer verseucht. Hört etwa das Waldsterben auf, wenn keiner mehr darüber spricht? Kennst Du schon den: Der Rhein ist wie ein Jungbrunnen, wer daraus trinkt wird nicht alt. Unser Lebensraum bricht langsam (?) zusammen und wir tun so, als hätten wir den Nächsten schon in Reserve. Wir können ja Raumschiff Enterprise spielen und uns auf die Suche nach neuen Welten machen. Vielleicht finden wir ja eine passende?! Mars zur Erde: Wie geht's? Erde zum Mars: Ich hab' Homo Sapiens. Mars zur Erde: Das vergeht wieder! Oder wir wählen eine Abkürzung und pusten uns gleich selbst direkt von der Erdoberfläche. Kennst Du das wirksamste Mittel für den Weltfrieden? Es heißt Atomkrieg! Warum können wir nicht einfach friedlich sein? "Wir sind die erste Generation, die eine Weltorganisation hat, die zu dem Zwecke geschaffen worden ist, den Völkerfrieden herzustellen und wir haben seit Ende des zweiten Weltkrieges über 170 Kriege" (Ulrich Parzany, Pro Christ '97). Wenn sich in Ruanda ein Fluß rot von Blut färbt, so ist das heute eine Nachrichtenmeldung und morgen vergessen. Das ist Alltag. Welcher große "Befreier" ist nicht auch ein Mörder? Wer soll den Diktator und die Seinen wegräumen? Wer wird hinterher die Macht an sich reißen und die Lage "stabilisieren"? Sind die Kriege das Problem oder die Menschen, die ihn führen? Beginnt der Krieg nicht schon in der Familie? Männer schlagen ihre Frauen, Kinder werden sexuell mißbraucht und geht die Beziehung in die Brüche, wird vor Gericht um das Kind gefeilscht wie um ein Stück Ware. Oder sind wir etwa besser? Eine Frau wird an einer Haltestelle vergewaltigt - alle schauen zu. Kinder brechen ins Eis ein und die Hilfe bleibt aus. Wir sehen Leid und schauen weg. Wir lügen, betrügen und scheren uns nicht um die Folgen: Nach uns die Sintflut. Obdachlose erfrieren vor unserer Haustüre und wir investieren lieber in die Lebensmittelvernichtung, als die Nahrung in die Hungergebiete zu bringen. "Du mußt ein Schwein sein, du mußt gemein sein..." (die Prinzen).So sind wir am Ende wieder bei uns selbst angekommen. Ist wirklich alles sinnlos? Wir können die Augen so schön verschließen, aber was, wenn es uns einmal selbst trifft? Dabei müssen andere nicht einmal Schuld sein. Was, wenn unser Körper nicht mehr so funktioniert, wie wir das gerne hätten? Vielleicht hilft uns ja die Medizin? Doch auch sie hat ihre Grenzen und vielen macht die Vorstellung von Chemotherapie und jahrelangem Siechtum an dutzenden von Maschinen mehr Angst, als die eigentliche Krankheit. Vielleicht gefällt uns die Vorstellung unseren Körper in die Werkstatt bringen zu können, wo die kaputten Teile ausgetauscht werden. Gefällt uns auch das Bild des Menschen als Ersatzteillager? Oder denken wir eher an hirnlos gezüchtete, menschenähnliche Biomasse? Wollen wir uns der Embryonen bedienen? Es werden ja genug abgetrieben. Wie wäre es mit dem genetisch perfekten Menschen? Der Mensch als Produkt ehrgeiziger Genzüchtung: anspruchslos, willenlos, obrigkeitshörig, und bei fehlendem Bedarf abschaltbar? Himmel oder Hölle? Was erwarten wir? Wenn das Böse machbar ist, wird sich auch jemand finden, der es tut.Alles ist sinnlos! Sollen wir zum Psychiater gehen? Welche Droge empfiehlt er? Sollen wir verrückt werden? Die Welt ist doch schon ein Irrenhaus. Sind wir denn ganz alleine? Viele fragen sich das. In unserer Welt ist kein Platz mehr für Kranke und Schwache. Wir haben keine Tabus mehr, nur über den Tod schweigen wir uns aus. Heute stirbt man einsam, gut abgeschirmt vom Rest der Welt, dem ja etwas auffallen könnte. Menschen könnten ja nachdenken. Was ist mit dem Tod? Hast Du schon einmal einen Menschen sterben sehen? Wie wollen wir mit dem Leben klar kommen, wenn wir nicht sterben können? Leben wir denn ewig? Und was ist dann? Wollen wir uns so lange betäuben, bis wir nicht mehr vor der Erkenntnis fliehen können, verloren zu haben?Alles ist sinnlos? Warum ist das so? Muß das so sein? Wer kann uns helfen?

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