Pastor Wolfgang Wegert: Befreit durch die neue Geburt
Predigttext: "Denn ihr seid wiedergeboren nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen durch das lebendige Wort Gottes, das in Ewigkeit bleibt. Denn alles Fleisch ist wie Gras und alle Herrlichkeit des Menschen wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt und seine Blume abgefallen, aber das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit." 1. Petrus 1, 23-24
I.DIE BEGRÜNDUNG FÜR EIN GEHEILIGTES LEBEN lautet für Petrus: "Denn ihr seid wiedergeboren."Darum können Christen Bruderliebe üben, sich nicht den Begierden der Welt gleichstellen und einen geheiligten Lebenswandel führen. Der Grund lautet nicht: "Denn so seid ihr doch von Kindheit an erzogen worden." Nein, die Begründung für die Ermahnung des Petrus lautet: "Denn ihr seid wiedergeboren." Nicht durch religiöse Dressur und Willenskraft entsteht ein heiliges und moralisches Leben, sondern durch die Kraft der Wiedergeburt, in der Gott von Seiner göttlichen Natur ins Herz eines Menschen gibt. Das heißt: Wiedergeburt ist Gottes große Befreiung für den Menschen von seinen Bindungen, von seinen Lastern, von seiner Sündhaftigkeit, von seiner Leidenschaft. Der Schlüssel ist das verwandelte Leben - die neue Kreatur.
Nehmen wir das gegebene Stichwort "Bruderliebe" auf. Die Botschaft des Petrus lautet: Habt Bruderliebe, denn ihr seid wiedergeboren, ihr seid frei dazu geworden. Manche Leute sagen: "Ich kann diesen oder jenen Menschen nicht lieben. Der hat mir zu viel angetan. Ich kann ihm nicht vergeben." Diese deine Aussage ist äußerst problematisch. Weißt du, warum? Weil der Apostel Johannes gemeinsam mit Petrus den Rückschluß zieht: "Wer nicht lieben und vergeben kann, ist nicht wiedergeboren." Johannes sagt in 1. Johannes 4, 7: "Jeder, der liebt, ist aus Gott geboren." Demnach entsteht die Fähigkeit zu lieben und zu vergeben aus der Neugeburt. Und er fährt fort in Vers 8: "Wer nicht liebt, der hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe." Für wahre Christen gilt also: "Übt die Bruderliebe! Das könnt ihr, denn ihr seid wiedergeboren."
Wer permanent nicht liebt, nicht vergibt, nachträgt, bitter ist usw., der ist nach Gottes Zeugnis nicht wiedergeboren. Wäre er das, hätte er das Leben aus Gott, hätte er Anteil an der göttlichen Natur. Und wie ist die göttliche Natur? Gott ist Liebe. Christlicher Glaube ist also nicht eine einzuübende Religion, ist nicht irgendein auswendig zu lernendes Dogma, sondern dem christlichen Glauben liegt eine neue Geburt zugrunde, eine neue Schöpfung.
Lieblose Menschen sind in ihrer alten, sündhaften Natur gefangen, und ihnen kann nicht dadurch geholfen werden, daß man sie zu göttlicher Liebe abrichtet. Erziehung hat gewiß auch etwas Gutes. Aber entgegen seiner sündhaften Veranlagung lieben und vergeben zu sollen, funktioniert vielleicht eine gewisse Zeit. Aber früher oder später ist die alte Lieblosigkeit wieder da. Erziehung zähmt zwar die sündhaften Auswüchse des Menschen, sie wandelt ihn aber nicht um.
In seinem 2. Brief schildert Petrus diesen Vorgang sehr drastisch. "Die gewaschene Sau kehrt wieder zurück zum Wälzen im Schlamm" (2. Petrus 2,22). Du kannst ein Schwein dressieren und es auch waschen und ihm dazu noch eine rote Schleife umbinden und es ins Wohnzimmer setzen. Aber warte ein Weilchen, dann wirst du sehen, was aus deinem Wohnzimmer geworden ist. Irgendwann kommt das Schwein doch wieder durch! Der Schweinehund, wie der Volksmund sagt, muß innerlich verändert werden. Dressur hilft nichts.
Und das ist meines Erachtens auch das Problem der gutgemeinten Psychotherapie. Sie schafft nicht, wie wir immer wieder in der Zeitung lesen, zum Beispiel Sexualtäter zu therapieren. Man glaubte und hoffte das, aber bald fielen die Gebundenen wieder zurück. Und die Gesellschaft ist entsetzt und entrüstet, daß wieder ein Kind mißbraucht und ermordet wurde. Das gleiche gilt für alle Sünden. Für den Jähzorn zum Beispiel, für die Unzucht, für die Lüge, den Stolz, die Habgier, den Hochmut, für die Lieblosigkeit. Nach der Schrift kann Sünde nicht therapiert werden. Warum nicht? Weil sie Wesensbestandteil unserer gefallenen menschlichen Natur ist.
Du kannst einen Fuchs nicht therapieren, damit er aufhört zu räubern. Er ist eben ein Fuchs. Du kannst einem Elefanten beibringen, im Zirkus Männchen zu machen, aber er bleibt trotzdem ein Vierbeiner. Und so ist der Sünder von Natur aus ein Sünder. Man kann versuchen, seine sündhaften Neigungen zurückzudrängen, aber seinem Wesen nach bleibt er derselbe. Deshalb noch einmal: Erziehung ist wichtig, aber sie löst nicht unser Problem. Wie bei jener armen Frau, die wegen ihrer Leibesfülle schon viele Therapien, Diätkuren und auch Ernährungsumstellungen versucht hatte, zeitweise mit recht gutem Erfolg. Aber irgendwann kam es immer wieder über sie, und sie schlug sich den Bauch voll - die alte Freßsucht war wieder da. Sie weinte bitterlich.
Natürlich freue ich mich über jeden Arzt, über jeden Therapeuten, der Magersüchtigen, Freßsüchtigen, Jähzornigen, Unzüchtigen, Habgierigen zu helfen versucht, sie zu einem gemäßigten Verhalten zu bringen. Aber die Bibel zeigt uns einen Weg zur wirklichen Befreiung. Und das ist die veränderte Natur, das veränderte Wesen, die neue Geburt. Das ist Gottes Weg zur Freiheit vom Laster, zur Freiheit von der Sünde. Ich hörte von einem Ehemann, der seine Seitensprünge in den Griff bekam, aber die Pornographie wilderte immer noch in seinem Kopf herum. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis er wieder fremd ging.
Gewiß ist Zähmung und Therapie immer noch besser, als der Sünde freien Lauf zu lassen. Aber besser wäre eine neue Natur, dem Wesen Christi ähnlich. In der Wiedergeburt empfängst du eine neue Neigung hin zum Reinen und Göttlichen. Die Wiedergeburt ist also eine innere Umwandlung, eine Metamorphose, eine Befreiung zur Liebe, zur Wahrheit, zur Heiligkeit. Diesen Kern des Evangeliums haben wir aus dem Auge verloren, und deswegen laborieren und therapieren wir an Symptomen herum, aber nicht an der Wurzel. Das war die Botschaft des Petrus: Seid heilig, denn ihr seid wiedergeboren.
II.Nun gibt der Apostel Petrus uns auch EINE BESCHREIBUNG DER WIEDERGEBURT, indem er sie mit der natürlichen, der ersten Geburt vergleicht. Er sagt nämlich: "Ihr seid wiedergeboren nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen." Zwischen dem natürlichen und dem geistlichen Leben besteht eine gewisse Gleichheit: In beiden Fällen ist die Geburt Voraussetzung. Es sei denn, daß jemand natürlich geboren wird, so kann er das Reich der Natur nicht sehen. Und analog sagt Jesus: "Es sei denn, jemand ist von neuem geboren, so kann er das Reich Gottes nicht sehen" (Johannes 3,3). Niemand lebt, der nicht geboren ist. Das gilt auch für das geistliche Leben. Aber bei aller Gleichheit zwischen der ersten und zweiten Geburt besteht dennoch ein entscheidender Unterschied. Jeder natürliche Mensch ist vom ersten Augenblick an zum Sterben geboren.
Das nennt Petrus "aus vergänglichem Samen geboren". Aber der unvergängliche Same, durch den ein Mensch die neue Geburt erlebt, ist eine Geburt nicht zum Tode, sondern zum göttlichen und damit unsterblichen Leben.
Nun schildert uns Petrus das Leben aus dem vergänglichen Samen anhand eines Gleichnisses, nämlich der Blume des Grases: "Denn alles Fleisch ist wie Gras, alle Herrlichkeit des Menschen wie des Grases Blume. Das Gras verdorrt, seine Blume ist abgefallen."
III. Wie ist es nun mit der BLUME DES GRASES? Sie ist die Herrlichkeit des Grases. Im Frühjahr erleben wir das alle. Zuerst kommt das Grün aus der dürren Wiese hervor. Im Mai kommen dann auch noch die Blumen dazu. Wie herrlich sind die Wiesen, wenn ein Meer von Butterblumen darauf blüht! Petrus hat recht, die Blume ist wirklich die Herrlichkeit des Grases. Aber nur für einen kleinen Moment, denn schon bald sind die Blumen wieder verblüht. Zurück bleibt das Gras, das schließlich auch verdorrt.
So hat auch unsere menschliche Natur ihre Herrlichkeit. Zuerst kommt ein Baby auf die Welt, das noch nicht die volle Schönheit eines ausgewachsenen Körpers hat. Wenn diese da ist, ist diese schöne Blume des Fleisches schon bald wieder verschwunden. Die Schönheit stirbt zuerst und dann das ganze Fleisch. Auch die menschliche Kraft ist wie die Blume des Grases. Wenn ein Baby geboren wird, ist es nicht stark. In den Zwanzigern wird aus ihm zwar ein Sportler, ein Athlet. Aber die Kraft und Stärke nehmen schon bald wieder ab. Mit zunehmendem Alter welkt auch diese Herrlichkeit des Fleisches. Ebenso ist es mit der Verstandeskraft. Als Baby haben wir noch keine große Denkfähigkeit. Bald entwickelt sich unser Geist zwar zu ungeahnter Größe. Wir lernen lesen, rechnen und denken. Aber auch diese Blume des vergänglichen Fleisches ist schon bald am Verblühen, unser Gedächtnis wird wieder schlechter.
Das ist das Bild, das Petrus vor Augen hat, wenn er schreibt: "Alles Fleisch ist wie Gras und alle Herrlichkeit des Menschen wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt, und seine Blume ist abgefallen" (1. Petrus 1,24). Schau dir einen Menschen aufgebahrt im Sarge an, und du erkennst sofort die Natur des vergänglichen Samens, und all seine Herrlichkeit, sie ist dahin. Schon die Söhne Korah haben im Psalm 49, 13 gesungen: "Ein Mensch in seiner Herrlichkeit kann nicht bleiben, sondern muß davon wie das Vieh." Das ist der vergängliche Same. Das ist die natürliche Geburt.
IV. Aber so ist es nicht mit der zweiten Geburt. Sie geschieht nicht durch diesen vergänglichen Samen, sondern DIE NATUR DES NEUEN LEBENS IST UNSTERBLICH, denn sie ist aus Gott. Die zweite Geburt geschieht durch unvergänglichen Samen, nämlich durch das Wort Gottes, das ewiglich bleibt. Ist es nicht ein Jammer, daß wir uns so sehr mit den Dingen des vergänglichen Samens beschäftigen? Hört: Das Wort Gottes ist unvergänglicher Same. Darum sollte die Bibel unser Brot sein, das wir essen, und das Evangelium das Wasser, das wir trinken.
Dieses Leben in Folge der Wiedergeburt aus dem Wort ist also nicht wie das Gras und seine Blume, sondern es wird niemals sterben. Als Jesus dabei war, Lazarus aufzuerwecken, sagte Er: "Jeder, der lebt und glaubt an mich, wird in Ewigkeit nicht sterben" (Johannes 11,26). Es kann ja auch nicht anders sein. Denn die Natur des wiedergeborenen Lebens ist göttlich. Deshalb ist sie unzerstörbar.
Es gibt mehrere Gründe, warum das neue Leben in einer wiedergeborenen Seele niemals sterben kann. Wie eben schon dargelegt: Wegen der Besonderheit seiner Natur. Es ist unvergänglich. Jesus sagt: "Wer da glaubt, der hat ewiges Leben" (Johannes 3,36). Wie kann dennoch jemand behaupten, daß ewiges Leben aufhören könne? Sterbliches Leben hört auf, aber ewiges doch nicht. Wenn jemand sagt, er habe einmal ewiges Leben gehabt, es hätte aber aufgehört, dann kann er nie ewiges Leben gehabt haben. Wäre es ewig gewesen, hätte es nicht sterben können. Es wäre ein Widerspruch in sich selbst. Wenn jemand aus Glauben wiedergeboren wurde, dann hat er ewiges Leben, das niemals aufhören wird. Nehmen wir doch die Heilige Schrift beim Wort. Adam produziert sterbliches Leben, aber der Heilige Geist produziert unsterbliches Leben.
Ein weiterer Grund, warum das geistliche Leben in einem Menschen nicht sterben kann, ist: Der Heilige Geist versorgt dieses Leben in dir beständig. Zunächst hat der Heilige Geist in der Wiedergeburt dir dieses unsterbliche Leben eingeatmet. Aber damit nicht genug. Er versorgt dieses Sein eigenes Leben mit immer neuer Lebensfülle von oben. Durch die Innewohnung Christi in dir besteht eine verborgene Einheit mit dem ewigen Vater. Du und Gott seid nicht mehr zwei, sondern nur noch einer. Du bist Bestandteil und Glied an Seinem Leibe. Also strömt Sein unsterbliches Leben immer und immer erhaltend durch dich hindurch. Und wenn es Gefahr läuft, wie ein glimmender Docht zu erlöschen, dann entfacht Gott es wieder. Denn Er hat verheißen: "...den glimmenden Docht werde ich nicht auslöschen" (Matthäus 12,20), da paßt Er auf. Manchmal qualmt es bei uns Christen aufgrund unseres Ungehorsams, und es stinkt vielleicht auch schon wie eine ausgepustete Kerze. Dann sieht es so aus, als sei alles Leben schon erloschen. Aber den letzten Funken bewahrt der Herr in jedem Seiner Wiedergeborenen, daß Er ihn wieder entfachen kann. Denn bezüglich des Heiligen Geistes hat Jesus versprochen: "...er bleibt bei euch und wird in euch sein" (Johannes 14,17). Das bestätigt auch Petrus selbst: "Wir werden in der Kraft Gottes bewahrt werden durch den Glauben..." (1.Petrus 1,5).
Wenn auf diese Versicherung hin nun jemand sagen sollte: "Dann kann ich mich ja zurücklegen", dann befürchte ich, daß du nicht wiedergeboren bist. Denn die Art des göttlichen Lebens entspricht nicht deiner Äußerung. Hast du wirklich neues Leben aus Gott empfangen, wird genau dieses Leben dich zu einem eifrigen und gehorsamen christlichen Leben stimulieren. Von Weltmenschen können wir das nicht verlangen, aber uns ist es angeboren.
Ein dritter Grund, warum das geistliche Leben in einem Wiedergeborenen nicht sterben kann, ist, weil Gott es uns verheißen hat. Jesus hat gesagt: "Niemand wird sie aus meiner Hand reißen, und sie werden nimmermehr umkommen" (Johannes 10,28). Und: "Der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird es auch vollenden" (Philipper 1,6). Halleluja!
Kehren wir zum Schluß noch einmal zu dem Bild der Blume zurück. Nicht nur das fleischliche Leben hat seine Blume, sondern auch das geistliche. Die Herrlichkeit des wiedergeborenen Lebens ist jedoch nicht die vergängliche Blume des Grases, sondern Jesus. Er ist die Herrlichkeit des wiedergeborenen Lebens. Er ist die Rose von Saron und die Lilie im Tale. Er ist der Schönste von Zehntausend. Diese Blume, Jesus, wird niemals verblühen. Er ist unsere Schönheit, die in Ewigkeit bleibt. In einige Gesichter schaue ich, die schon ziemlich faltig sind. Ich sehe eure dicken Brillen, eure Hörgeräte, eure grauen Haare und eure Goldzähne und auch euren schweren Gang. Der äußere Mensch zerfällt. Seine Blume verwelkt.
Aber ich sehe noch etwas anderes in euch Gotteskindern. Ich sehe Jesus in euch. Und das macht euch schön! Eure Reinheit, eure Liebe, eure Geduld, eure Sanftmut, euer Glaube macht euch so schön. Das ist das Wesen Jesu, das aus euch strahlt. Ihr habt eine Herrlichkeit in euch, die nie vergeht. Denn der innere Mensch wird von Tag zu Tag erneuert. Es ist die unvergängliche Schönheit Jesu. Halleluja. Wenn ich jetzt so in die Gottesdiensthalle schaue, dann sehe ich nicht mehr Falten und Glatzen, sondern ich sehe Menschen voller Herrlichkeit und unvergänglicher Schöne. Ich sehe Jesus in euch, die Blume eures Lebens. Wie heißt es doch so schön? "Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit." Darum ruft Paulus: "Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn" (Philipper 1,21). Christus ist seine Blume, seine Liebe, seine Freude und seine ewige Lust. Das soll auch bei uns so sein. In Jesu Namen! Amen!
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