Montag, 22. Juni 2009

Machtkampf um Ayatollah Rafsandschani


Einer der mächtigsten Männer Irans könnte sich auf die Seite der Opposition schlagen

Rafsandaschi, einer der Mächtigen Irans, wird möglicherweise für die Opposition eine Schlüsselrolle spielen. Aus seiner Abneigung gegen Ahmadinedschad macht er keinen Hehl.

Seine Tochter, die Mussawi offen unterstützt, wurde vorübergehend verhaftet.Straße in Teheran.

Er ist einer der mächtigsten Männer in Iran und er könnte sich auf die Seite der Opposition schlagen: Ayatollah Haschemi Rafsandschani. Um den iranischen Ex-Präsidenten und Gefolgsmann von Revolutionsführer Chomeini ist ein Machtkampf entbrannt. Vorübergehend waren sogar fünf seiner Angehörigen verhaftet worden - eine deutliche Warnung Rafsandschani, der hinter den Kulissen eine Schlüsselrolle spielen könnte.


Seine älteste Tochter Faeseh und vier weitere Angehörige waren nach Angaben des Staatsfernsehens wegen Teilnahme an nicht genehmigten Protestversammlungen festgenommen worden - zu ihrem eigenen Schutz, wie es hieß. Die 46-jährige Reformpolitikerin unterstützt offen den nach offiziellen Angaben unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mir Hossein Mussawi und hatte vorige Woche auf einer Kundgebung gesprochen.

Abneigung gegen Ahmadinedschad

Rafsandschani selbst, der aus seiner Abneigung gegen Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad keinen Hehl macht, hat sich nach der umstrittenen Wahl noch nicht öffentlich geäußert. Beim Freitagsgebet, bei dem der geistliche Führer Ayatollah Ali Chamenei sich hinter Ahmadinedschad stellte und die Demonstranten warnte, glänzte er durch Abwesenheit.

Chamenei würdigte seine Rolle bei der Islamischen Revolution und als Politiker, sprach aber auch von "vielen Meinungsverschiedenheiten" mit Rafsandschani: "Natürlich sind die Vorstellungen des Präsidenten den meinen näher." Was sich Rafsandschani vorstellt - und wo genau er sich aufhält - ist unklar. Die Opposition zu unterstützen, hieße den offenen Konflikt mit den mächtigsten Männern im Gottesstaat zu suchen.

Einer der wichtigsten Männer Irans

Der 75-Jährige, einst ein enger Gefolgsmann von Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Chomeini, war zwischen 1989 und 1997 Präsident. Bei einem dritten Anlauf 2005 unterlag er in einer Stichwahl gegen Ahmadinedschad. Heute leitet er die Expertenversammlung, ein Gremium aus 86 Geistlichen, das die Arbeit Chameneis zu kontrollieren und gegebenenfalls einen Nachfolger für den geistlichen Führer zu bestimmen hat. Außerdem sitzt er dem Schlichtungsrat vor, der in Streitfällen zwischen dem Parlament und dem als eine Art Verfassungshüter dienenden Wächterrat vermittelt.


ZDF

Ahmadinedschad hat ihn und Mitglieder seiner Familie öffentlich der Korruption beschuldigt. Dass sich Chamenei am Freitag so deutlich hinter den Präsidenten stellte, könnte nach Ansicht von Beobachtern ein Anzeichen dafür sein, dass Rafsandschanis Einfluss schwindet. "Das kann als deutliche Niederlage für Rafsandschani und den politischen Kurs betrachtet werden, für den er eintritt", urteilte Frederic Tellier von der International Crisis Group in Brüssel.

Nimmt Rafasandschanis Einfluss ab?

Als Vorsitzender der Expertenversammlung habe Rafsandschani gegenüber Chamenei und Ahmadinedschad immer noch etwas in der Hand, schätzte Iran-Experte Aliresa Nader von der Rand Corporation ein. Allerdings habe Chamenei einen Brief ignoriert, in dem Rafsandschani ihn ersucht habe, Ahmadinedschad zur Zurückhaltung aufzufordern.

Das sei "von vielen Iranern als Rüffel für Rafsandschani und seine Rolle im politischen System aufgefasst worden". Sein Einfluss könne daher erheblich abgenommen haben. "Rafsandschani ist ein Sohn der Revolution", sagte Tellier. "Doch seine eigene Zukunft hängt davon ab, wie weit der religiöse Führer Ahmadinedschad mit seinen Angriffen auf Rafsandschani und dessen Familie zu gehen erlaubt."

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