
Wiedergewählt und hoch umstritten: Mahmud Ahmadinedschad
An dem kleinen, bärtigen Mann scheiden sich die Geister. Im Westen als Holocaust-Leugner und Atombomben-Bastler verschrieen, erwarb er sich bei der Landbevölkerung einen Ruf als
Über sich selbst sagt er, er habe dem stolzen Kulturvolk der Iraner mit seiner Konfrontationspolitik gegenüber dem Westen und Israel Würde und Selbstbewusstsein zurückgegeben. Weit mehr als 60 Prozent der Wähler bestätigten ihn darin, so man dem offiziellen Wahlergebnis Glauben schenkt.
Niedergang der Wirtschaft
Dabei hatten seine Kontrahenten im Wahlkampf scheinbar viele gute Argumente gegen eine Wiederwahl des 52-Jährigen. In dessen erster Amtszeit hat sich die Wirtschaftslage des Öl-Förderlandes deutlich verschlechtert, Lebensmittel und Benzin wurden drastisch teurer. Vor allem die 15 Millionen iranischen Familien mit einem Monatseinkommen von unter 600 Dollar (430 Euro) haben es schwer. Doch der Präsident, der oft mit offenem Hemd und ohne Krawatte auftritt, hat stets die Verteuerung der Güter auf dem Weltmarkt für die Entwicklung verantwortlich gemacht.
Schon 2005 hatte der selbst aus einfachen Verhältnissen stammende Mahmud Ahmadinedschad vor allem die ländliche Bevölkerung um sich scharen können. Offenbar trifft das vierte von sieben Kindern eines Schmiedes den Ton für diese Wählerschicht genau.
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Geschlechtertrennung im Fahrstuhl
Die Wiederwahl schon im ersten Wahlgang und mit solch deutlicher Mehrheit hatte indes kaum jemand erwartet. Doch schon zweimal war der zwar in einem Dorf geborene, aber in Teheran aufgewachsene Vater dreier Kinder für Überraschungen gut: 2003 wurde der damals öffentlich kaum bekannte Hardliner zum Bürgermeister Teherans und 2005 noch unerwarteter zum Präsidenten des Landes gewählt.
Als Bürgermeister verbucht der gelernte Bauingenieur Erfolge beim Versuch, das Verkehrschaos in der Sieben-Millionen-Stadt Teheran zu bändigen - und er bekennt sich zu einer rein islamischen Gesellschaft. Er lässt Fastfood-Restaurants schließen und führt in Gebäuden der Stadtverwaltung Geschlechtertrennung bei der Liftbenutzung ein. Durch sein Vorgehen gegen Korruption sowie seinen Einsatz für Umverteilung - etwa zinslose Kredite und forcierten sozialen Wohnungsbau - genoss er in den Armutsvierteln der Hauptstadt schnell den Ruf eines iranischen "Robin Hood".
Hasstiraden gegen Israel
Nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt als Präsident bestimmt der bis dahin außenpolitisch völlig unerfahrene Ahmadinedschad dann die Schlagzeilen der Weltpresse. Israels Existenzrecht stellt er vor Teheraner Studenten infrage, kurz darauf leugnet er im saudischen Mekka den Holocaust. An seiner Rhetorik dazu hat sich bis heute wenig geändert. Vor allem aber hält er die Weltmächte mit seinem Atomprogramm in Atem. Machen sich EU, USA und andere westliche Länder Sorgen, der Iran strebe den Bau von Atomwaffen an, hat der tief religiöse Schiit stets beteuert, das Vorhaben diene allein der Energiesicherung seines Landes.
MEDIATHEK
Dass es der Fußballfan bis an die Spitze des Staates geschafft hat, liegt nach Einschätzung von Beobachtern auch an seinem wichtigen Unterstützer Ayatollah Ali Chamenei. Ohne die Zustimmung des Geistlichen Oberhaupts des Iran geht in dem Land gar nichts. Er setzte auch diesmal auf den jahrzehntelang erprobten Fundamentalisten Ahmadinedschad, der schon zu den Gründungsmitgliedern der Studentengruppe gehörte, die ab 1979 für 444 Tage Teherans US-Botschaft besetzte.
Wahlerfolg dank Kartoffeln?
Den neuerlichen Wahlerfolg könnten ihm - so die Betrugsvorwürfe der Opposition nicht zutreffen - seine sozialpopulistischen Rezepte eingetragen haben. Experten verweisen auf die kostenlosen Kartoffelrationen und Rentenerhöhungen trotz Wirtschaftskrise und hoher Inflation. Womöglich war es also doch wieder der "Robin Hood" der einfachen Leute, der die Mehrheit der Iraner hinter sich vereinen konnte.

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