Trotzdem tragen die Aufnahmen nach Ansicht von Experten dazu bei, dass sich die aufgeheizte Situation verschärft. "Die Wut und Frustration bei den Wahlverlierern steigt", sagt der Iran-Kenner Henner Fürtig vom Hamburger Leibniz-Institut für globale und regionale Studien. "Es existieren eine Reihe von ähnlichen Bildern, die durch die Bank nicht verifiziert werden können. Die haben trotzdem eine erhebliche Wirkung." Ihre Wirkung erzielen die Bilder eher im Ausland, wo sie anders als im Iran frei empfangbar sind und von Millionen Menschen gesehen werden.
In dem islamischen Land selbst sind Seiten wie Facebook, Twitter oder auch die von Oppositionellen gesperrt. SMS-Nachrichten funktionieren seit der vergangenen Woche nicht mehr. Das Mobilnetz in Teheran ist regelmäßig nicht erreichbar. Die Einschränkungen der Regierung von Präsident Mahmud Ahmadinedschad machen es auch ausländischen Medien unmöglich, sich ein Bild von der Lage zu verschaffen. Selbst ihre iranischen Mitarbeiter müssen in ihren Büros bleiben. Der Kontakt zur Protestbewegung läuft vor allem über Telefon, E-Mails und Chaträume. Einige Medien beschäftigen inzwischen Mitarbeiter, die Mitteilungen in der Landessprache Farsi übersetzen.
MEDIATHEK
Die Beschränkungen stoßen auch bei Journalistenvereinigungen auf scharfe Kritik. "Der Iran gilt momentan als weltweit größtes Gefängnis für Medienmitarbeiter", berichtet etwa die Organisation Reporter ohne Grenzen. Nach ihren Informationen wurden bis Montag 33 Journalisten und Blogger verhaftet. Andere werden des Landes verwiesen, wie am Sonntag der BBC-Journalist Jon Leyne. Sein Sender nutzt zusätzlich zwei Satelliten, um sein farsisprachiges Programm trotz der Zensur im Iran auszustrahlen. Ähnlich geht der amtliche US-Auslandssender Voice of America vor.
Oppositionelle verschleiern Herkunft
Die Medien haben indes Probleme, die Identität von mutmaßlichen iranischen Oppositionellen im Netz zu verifizieren. Die Bewegung startete etwa eine Aktion, mit der Twitter-Nutzer im Ausland vorgeben, in der Region Teheran angesiedelt zu sein. Damit erhoffen sich die Teilnehmer, sich mehr Gehör zu verschaffen. "Das ist toll für Aktivisten, aber schrecklich für Journalisten", sagt der Journalistik-Professor Sreenath Sreenivasan von der Columbia-Universität in New York. So könne es passieren, dass man Nachrichten von iranischen Twitterern verfolge. Dann stelle sich aber heraus, dass sie in Wahrheit im Ausland seien.
Auch die Reporter ohne Grenzen sehen bei der Anonymität im Netz Vor- und Nachteile. So könnten sich iranische Oppositionelle damit schützen. Andererseits seien die Informationen schwer zu verifizieren, weil die Mitteilungen von Aktivisten selbst als auch von Beobachtern von außen kämen, sagt Mitarbeiter Benoît Hervieu. Nach Ansicht des Iran-Experten Fürtig zählt aber der allgemeine Eindruck, dass die Bilder im wesentlichen eine Abbildung der Realität sind. "Darauf kommt es am Ende an, nicht auf den Wahrheitsgehalt eines einzelnen Bildes", sagt der Professor.
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